Ausstellung Das Unterbadische Kaltblut
Mehr als ein Ackergaul
Die Ausstellung zeigt die kurze Verweildauer des Unterbadischen Kaltblutpferdes in der Geschichte des Kraichgaus. Die schweren Pferde wurden von der Unterbadischen Pferdezuchtgenossenschaft, welche 1896 gegründet wurde, zu tausenden gezüchtet. Doch diese Pferde waren mehr als Ackergäule, denn sie wurden nicht nur als starke und zuverlässige Helfer in der Landwirtschaft eingesetzt, sondern waren maßgeblich in Fuhren und Logistik, sie brachten ihren Züchtern Prestige und Preise und sie waren während der Weltkriege als Kriegskameraden Seite an Seite mit den Sinsheimer Soldaten. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden die Pferde aus der Landwirtschaft und aus dem Alltag der Menschen, die Kaltblutpferdezucht kam beinahe gänzlich zum Erliegen und die letzten Unterbadischen Kaltblüter wurden ins Schwarzwälder Kaltblut hineingezüchtet. Heute gilt die Rasse als ausgestorben.
Nachfolgend finden Sie die Transkription der originalen Zeitungsartikel aus dem Landboten ergänzend zur Ausstellung
Landbote 1888 - Die Treue eines Pferdes
(Treue eines Pferdes.) Aus Kirchberg wird folgender Vorfall berichtet. Der Besitzer eines Hengstes hatte kurz vor seinem Ort das Unglück von dem Pferde zu fallen und sich einen doppelten Beinbruch zuzuziehen, so dass er auf fder Stelle liegen blieb. Seine Hülferufe wurden, da es nacht war, nicht gehört. Das Pferd lief nach Hause und wieherte, bis die Angehörigen seines Herrn aus dem Schlaf erwacht waren. Als man das Fehlen des Herrn bemerkte, versuchte man das Pferd einzufangen, doch das Thier war nicht in den Stall zu bringen, kehrte vielmehr um und begleitete die Angehörigen zu der Unglückstelle, wo es stehen blieb. Nun wurde der Reiter nach Hause getragen.
Landbote 1888 - Das Tränken der Pferde
Das Tränken der Pferde geschieht, wie man häufig genug beobachten kann, ohne weiteres mit dem ersten besten Wasser, welches zur Hand ist. Gerade beim Tränken der Pferde ist eine ziemliche Vorsicht anzuwenden, wenn nicht böse Folgen hervorgerufen werden sollen. Das Pferd soll möglichst wenig dürsten und bedarf täglich 15-22, stärkere Pferde sogar bis 30 Ltr. Wasser, doch tritt eine Schwächung der Verdauungswerkzeuge ein, wenn zuviel auf einmal gereicht wird. Das Wasser darf ferner nciht bei leerem Magen gereicht werden, selbst wenn die Pferde das Futter nicht mögen. In solchem Falle feuchtet man das Futter an und gibt erst Wasser, nachdem die Pferde etwas gefressen haben.
Landbote um 1900 - Hütet die Pferde vor dem Hitzschlag
(Hütet die Pferde vor dem Hitzschlag!) Die Tatsache, dass in der heißen Jahreszeit Zugtiere häufig unterwegs an Hitzschlag erkranken oder verenden, sollte dringen zur Mahnung dienen, dass ihnen im Sommer eine erhöhte Fürsorge zu teil wird. Eine Überlastung der Fuhrwerke ist an heißen Tagen direkt gefährlich; auch öftere Ruhepausen (möglichst im Schatten) müssen eintreten. Besonders aber muss für öfteres Tränken der Tiere gesorgt werden. (Kein eiskaltes Wasser und nicht zuviel Wasser auf leeren Magen!) In alledem wird unendlich gesündigt. Nicht die Hitze an sich lässt die Tiere erkranken und sogar sterben; nur die Überanstrengung und der Mangel an der notwendigen Erquickung ist es.
Der Kriegskamerad
Das Unterbadische Kaltblut wurde für die Kriegsgeschehnisse in beiden Weltkriegen eingezogen. Im Ersten Weltkrieg dienten sie hauptsächlich als Stangenpferde (die zwei direkt an der Deichsel eines Wagens ziehenden Pferde), starke Zugpferde, die eine zentrale Funktion im Logistik- und Artillerietransport erfüllten. Es starben schätzungsweise 8 Millionen Pferde im Ersten Weltkrieg.
Im Zweiten Weltkrieg hielten sie die Infanterie beweglich. Sie zogen Geschütze, Versorgungsfahrzeuge und schwere Waffen. Es galten auch erschwerte wirtschaftliche Verhältnisse: Die deutsche Industrie konnte nie genug Fahrzeuge produzieren. Zudem zwangen Treibstoffmangel und schlechte Wegeverhältnisse (besonders im Osten) die Wehrmacht zur massiven Nutzung von Zugpferden. Neben dem Transport dienten sie der Kavallerie für Aufklärungszwecke und Offizieren als Fortbewegungsmittel. Im Zweiten Weltkrieg starben allein auf deutscher Seite über 1,5 Millionen Pferde. Insgesamt setzte die Wehrmacht rund 2,75 Millionen Pferde ein, von denen etwa 60 bis 63 Prozent (ca. 1,65 bis 1,73 Millionen) während des Krieges durch Kampfhandlungen, Kälte oder Entkräftung umkamen.
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Landbote 1914 Mobilmachung, hier die Ausfuhr von Pferden betr.
An sämtliche Bürgermeisterämter des Bezirks:
Nachdem die Mobilmachung befohlen ist, wird hiermit jede Ausführung von Pferden aus dem Amtsbezirk Sinsheim und überhaupt jede Verbringung von solchen von einer der anderen Gemeinden vor beendetem Pferdeaushebungsgeschäft unter Androhung der höchsten in § 27 des Kriegsleistungsgesetzes vom 13. Juni 1873 vorgesehene Strafe von 150 Mk. für jeden einzelnen Fall der Zuwiderhandlung untersagt.
Eine Ausnahme von dem Verbote findet nur statt, wenn nachweislich der Verkauf von Militärbehörden des Aushebungsbezirks oder an solche Offiziere, Sanitätsoffiziere oder Militärbeamte, welche sich die Pferde für ihre Mobilmachung selbst beschaffen, geschehen ist.
Die Bürgermeisterämter werden hiervon mit dem Auftrage benachrichtigt, dies sofort ortsüblich in den Gemeinden bekannt zu machen, den Pferdehändlern in dortiger Gemeinde noch besonders gegen Bescheinigung zu eröffnen und die Ausführung von Pferden aus den Gemeinden auch ihrerseits mit allen ihnen gesetzlich zu Gebote stehenden Mitteln zu verhindern. Von etwaigen Versuch der unerlaubten Pferdeausführung wäre hierher telegraphisch Anzeige zu erstatten.
Sinsheim, den 1. August 1914
Großh. Bezirksamt
Landbote 1918 Hunde an die Front!
Bei den gewaltigen Kämpfen im Westen haben die Hunde durch stärkeres Trommelfeuer die Meldungen aus vorderster Linie in die rückwärtigen Stellungen gebracht. Hunderte unserer Soldaten ist das Leben erhalten, weil Hunde ihnen den Meldegang abnahmen. Militärisch wichtige Meldungen sind durch Hunde rechtzeitig an die richtige Stelle gelangt.
Obwohl der Nutzen der Meldehunde überall bekannt ist, gibt es noch immer Besitzer kriegsbrauchbarer Hunde, welche sich nicht entschließen können, ihr Tier dem Vaterlande zu leihen!
Es eignet sich Schäferhund, Dobermann, Airedale-Terrier, Rottweiler, Jagdhunde, Leonberger, Neufundländer, Bernhardiner, Doggen und Kreuzungen aus diesen Rassen, die schnell, gesund, mindestens 1 Jahr alt und von über 50 cm Schulerhöhe sind. Die Hunde werden von Fachdresseuren in Hundeschulen abgerichtet und im Erlebensfalle nach dem Kriege an ihre Besitzer zurückgegeben. Sie erhalten die denkbar sorgsamste Pflege. Sie müssen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Abholung erfolgt durch Ordonanzen.Also Besitzer: Eure Hunde in den Dienst des Vaterlandes!Die Anmeldungen für Kriegshund- und Meldehundschulen an Inspektion der Nachrichtentruppen, Berlin-Halensee, Kurfürstendamm 152, Abteilung Kriegshunde, richten
Landbote 1918 Demobilisation und kranke Pferde
Vom Lande, 25. Nov. (Demobilisation und kranke Pferden) Im Hinblick auf die schon gekennzeichnete Gefahr der Einschleppung von Seuchen und ansteckender Krankheit bei der Demobilisation, von der die Bevölkerung bedroht ist, wird in einer Zuschrift die Aufmerksamkeit der in Frage kommenden Stellen auf folgenden sehr wichtigen Punkt gelenkt: Es befinden sich in der Garnison, Etappe und Front viele Pferde, die mit ansteckenden und nur sehr schwer heilbaren Krankheiten (Räude u.a.) behaftet sind; dieselben bilden, wenn sie zur Arbeit herangezogen werden sollen, für den Viehbestand in der Heimat eine große Gefahr. Außerdem ist ein großer Prozentsatz mit Beinschäden und sonstigen Fehlern vorhanden, die zur Arbeitsleistung nur sehr wenig brauchbar sind. Alle diese Tiere bilden für unsere knappen Futtervorräte unnötige Verzehrer. Es muss Aufgabe der betreffenden Stellen sein, diese Tiere so schnell wie möglich abzuschlachten und das Fleisch, soweit es brauchbar ist, der Ernährung nutzbar zu machen.
Der Schleifensammler
1888 wurden die ersten Belgischen Stuten importiert
1896 gründete sich die Vereinigung Unterbadischer Pferdezuchtgenossenschaften
1902 fand der erste Fohlenmarkt in Sinsheim statt
1932 ging die Vereinigung Unterbadischer Pferdezuchtgenossenschaften im Badischen Pferdestammbuch auf
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unterbadische Kaltblutpferd nicht mehr gezüchtet. Die letzten Hengste gingen in der Schwarzwälder Kaltblut-Zucht auf. Heute gilt das Unterbadische Kaltblut als ausgestorbene Rasse.
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Landbote 1888 Einfuhr der ersten Schweren Belgischen Kaltblutpferden
Bekanntmachung
Unterzeichneter macht Pferdebesitzern hierdurch die Anzeige, dass er zwei frische Hengste, Belgier und Normänner Race, zum Beschälen eingestellt hat. Ebendaselbst ist ein 5jähriger Schimmelhengst dem Verkauf ausgesetzt. Hilsbach, 16. Februar 1888. Heinrich Keller
Kirchardt
Unterzeichneter macht den Pferdezüchtern des Bezirks Sinsheim und Umgebung die ergebenste Anzeige, dass zu den auf seiner Beschälstation aufgestellten zwei Zuchthengsten, Normänner und Percheron, welche von ersten Pferdekennern als die schönsten Hengste der Umgegend bekannt sind, jeden Tag Zuchtstuten zum Beschälen vorgeführt werden können.
Bekanntmachung
Sinsheim, 4. März. Programmgemäß wurde heute diee im "Landboten" Nr. 26 angekündigte Versammlung des Pferdezucht-Vereins des Bezirks Sinsheim im "Löwen" dahier abgehalten und betheiligten sich von 68 Mitgliedern, welche der Verein zählt, etwa 20. Den 1. Gegenstand der Berathung bildete: Bericht über die Entwicklung der im Jahre 1887 angekauften Stutfohlen und Wünsche über die weitere Beschaffung pro 1888. Nach übereinstimmendem Urtheil war die Wahl der Fohlen, welche von Seiten der vom Staate entsendeten Kommission angekauft wurden, eine sehr gute; dieselben haben sich durchweg unseren Verhältnissen angepasst und sind vorzüglich gediehen. Der zweite Gegenstand: Besprechung über das männliche Zuchtmaterial, gab Anlass zu einer längeren Debatte und zwar deshalb, weil von Seiten der Herren Hengsthalter Kopp in Kirchardt und Keller in Hilsbach eine Konkurrenz befürchtet wird. Bisher war sowohl in Hilsbach als in Kirchardt männliches Zuchtmaterial aufgestellt. Nach dem heutigen Mehrheitsbeschlusse soll ein wiederholter Antrag bei Großh. Ministerium des Inneren eingebracht werden - obwohl sich die Herren Heinrich Bentz und Kopp von Kirchardt sehr dagegen aussprachen und die Bedürfnissfrage verneinten, - dass in WEibstadt 1, und wenn nöthig, 2 staatlich subventionierte Hengste eingestellt werden. Bentz wehrte sich aufs Äußerste, dennoch aber konnte er die im nördlichen Theile des Amtsbezirks wohnende Pferdezüchter, deren Wunsch es ist, einen Hengst zu bekommen, nicht vom Gegenteil überzeugen. - Punkt 3: Besprechung über die bestehenden und etwa neu zu errichtenden Fohlenweiden und deren weitere Unterstütung, wurde dahin erledigt, dass der von dem Verbands-Obmanne des Amtsbezirks Mosbach, Herrn Weidenhammer in Aglasterhausen anzustrebenden Fohlenweide die nöthige Unterstützung gewährt werden solle. Es wurde hierauf die von Herrn Bezirksthierarzt Diesbach vorgeschlagene Resolution, welche dahin geht, "dass vorerst von Seiten des Herrn Weidenhammer erhoben und festgestellt werden wolle, wie hoch sich die Futter- und Verpflegungskosten eines Fohlens während der 5 Sommermonate stellen, worauf dann, wenn sich die Kosten nicht zu hoch belaufen, in den Pferdezucht treibenden Gemeinden abzustimmen wäre, ob eine Betheiligung bezw. eine Benutzung zu erwarten sei", angenommen. Nach dem hierauf zu erwartenden Ergebnisse soll erst ein bestimmter Antrag hinsichtlich einer Staatsunterstützung eingebracht werden. Herr Adam Schied von Neckarbischofsheim glaubte dies jetzt schon ohne diese Erhebungen empfehlen zu dürfen, fand aber nicht die nöthige Unterstützung. - Hinsichtlich des weiteren Gegenstandes: Besprechung über Stutenprämierung, wurde beschlossen, an dem bisherigen Verfahren, wonach auch zweijährige Stutfohlen an der Prämierung theilzunehmen hätten, festzuhalten. - Nachdem zum Schluss noch Herr Accisor Wilh. Hagmaier von Waldangelloch als Stellvertreter des Obmannes einstimmig gewählt war, wurde die Versammlung geschlossen. Herr Seitz von Babstadt hat die Versammlung musterhaft geleitet, wofür ihnm deshalb auch allseitigen Dank gebührt.
Verschiedenes
Sinheim, 5. Juli. die diesjährige staatliche Prämierung von Zuchtstuten und Stutfohlen hat gestern auf dem Marktplatz dahier stattgefunden. Vorgeführt wurden au der Reihe der 16 angemeldeten Thiere durch 13 Besitzer aus 8 Gemeinden (Babstadt, Flinsbach, Helmstadt, Neckarbischofsheim, Wagenbach, Rappenau, Siegelsbach, Treschklingen) 15 Stuten und Stutfohlen, unter welchen sich 3 achtjährige, 3 dreijährige und 10 zweijährige Thiere befanden. Von Farben waren es 4 Füchse, 4 Braune, 2 Schwarzbraune, 2 Schimmel, 2 Rappen und 1 Rotschimmel. Gefallen waren diese Thiere und zwar nach dem Hengst Ukas 1, Breton 2, und Normann 1 Thier. Von 11 Thieren war die Abstammung unbekannt, da dieselben zum größten Theil aus Belgien stammen. Als preiswürdig wurden erkannt und erhalten Fohlenpreise von je 40 Mk.: 1) des Wilh. Seitz, Gutspächter in Babstadt, 2jährige Dunkel-Fuchs-Stute mit Bläß nach Ukas; 2) des Joh. Wilh. Vierling, Landwirth in Flinsbach, 3jähr. Fuchsstute mit Bläß nach Breton; 3) des Joseph Servatius, Gutspächter in Rappenau, 3jähr. Schwarzbraun-Stute nach Normann; 4) des Wilh. Seitz, Gutspächter aus Babstadt, 2jähr. Dunkelbraun-Stute mit Bläß; 5) des Adam Schieck, Landwirt in Neckarbischofsheim, 2jährige Fuchsstute mit Bläß; 6) der Katharina Kaufmann, Gutspächterin in Wagenbach, 2jähr. Rapp-Stute; 7) des David Schmutz, Gutspächter in Rappenau, 2jähr. Rotschimmelstute mit Stern und Schnippe; 8) des Friedrich Weiß, Gutspächter in Rappenau, 2jähr. Rapp-Stute mit Stern; 9) des Josef Servatius, Gutsp. in Rappenau, 2jähr. Braunstute mit Stern; 10) des Ludwig König, Landwirt in Treschklingen, 2jähr. Rotschimmel-Stute mit Stern; 11) des Christ. Rothenhöfer, Landwirt in Rappenau, 2jähr. Fuchs-Stute mit Stern und Schnippe. Die unter Ziffer 4 bis 11 aufgeführten Thiere wurden im letzten Herbst durch die staatliche Kommission aus Belgien importiert. Sämmtliche haben sich sehr gut entwickelt und stehen in musterhaftem Futterzustand und guter Pflege. - Weiter hatten auf Grund von Reversen vorzuführen: Johannes Holzwarth in Kirchardt eine 5jährige Schwarzschimmel-Stute, 1885 prämiert; Phil. Schäfer in Waibstadt eine Rotschimmel-Stute, 1887 auf einen Zuchtpreis von 120 Mk. erhöht; Wilhelm Seitz in Babstadt eine 5jährige hellbraune belgische Stute, 1887 mit einem Zuchtpreis prämiert; Josef Servatius in Rappenau eine 5jährige Braunstute, 1887 mit 120 Mk. prämiert. Gelegentlich der staatl. Prämierung fand auch die Untersuchung der staatlich subventionierten Hengeste "Hans" und "F. Etticho" von Hilsbach dahier statt.
Annonce
Unterzeichneter verkauft wegen Geschäfts-Aufgabe: Zwei rotbraune Wallachen-Pferde, fünf und sechs Jahre alt, sehr gut im Zug, nebst Geschirr; ferner kann ein Pferde-Wagen und ein Bernerwägele dazu gegeben werden.
Johö Dreßler, Wirth "Zur Rose" in Steinsfurth bei Sinsheim.
Nr. 7969 Die Prämierung von Zuchtstuten und Stutfohlen betr.
Die Bürgermeisterämter des Bezirks werden veranlasst, die Pferdezüchter in ihren Gemeinden noch ausdrücklich auf die Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Inneren vom 12. d. Mts. Nr. 6326 im landwirtschaftlichen Wochenblatt Nr. 17, Seite 160, aufmerksam zu machen.
Die einlaufenden Bewerbungen, welche unter genauer Beantwortung der in obiger Bekanntmachung enthaltenen Fragen längstens bis zum 20. Mai d. J. bei den Bürgermeisterämtern eingereicht sein müssen, sind von diesen längstens bis zum 25. Mai d. J. hierher vorzulegen.
Sinsheim, den 20. April 1888
Großh. Bezirksamt. Becker
Nr. 10266 Die staatliche Prämierung von Zuchtstuten und Stutfohlen betreffend
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 20. v. M. Nr. 7969, im Landboten Nr. 50, bringen wir zur Kenntniss der Interessenten, dass die Musterung derjenigen Pferde des diesseitigen Amtsbezirks, deren Besitzer sich um einen Staatspreis beworben haben, am Mittwoch den 4. Juli d. J., Vormittags 8 Uhr, auf dem Marktplatz in Sinsheim stattfindet.
Zur Prämierung angemeldete Pferde sind zu dieser Zeit der Musterungskommission vorzuführen, auch haben die Pferdebesitzer die etwa in ihrem Besitzte befindlichen Beschälkarten, beziehungsweise Geburtsscheine der Thiere mitzubringen.
Sinsheim, den 25. Mai 1888
Großh. Bezirksamt. Becker
Landbote 1896 Gründung des Vereins Unterbadischer Pferdezuchtgenossenschaften
Gründung des Verbands
Am 4. des Monats tagte im „Hotel Prinz Karl“ in Mosbach eine Versammlung von Sachverständigen der badischen Pferdezucht, um den Verein unter dem Namen „Underländischer [Unterbadischer] Pferdezuchtvereins-Verband“ zu gründen. Es waren erschienen, und übernahm den Vorsitz: Graf von Bismarck als erster technischer Leiter der badischen Pferdezucht, der Vorstand des badischen Pferdezuchtvereins Hauptmann a.D. Fischer aus Baden, Prinz Löwenstein-Langenzell, Freiherr von Göler-Schatthausen, sowie die Vertreter der Bezirke Sinsheim, Wiesloch, Mosbach, Adelsheim, Tauberbischofsheim. Nach einer die Bedürfnisfrage der Zusammenschließung genannter Bezirke darlegenden Ansprache des Vorsitzenden verlas Herr Bezirkstierarzt Väth von Mosbach die von ihm entworfenen Statuten und wurden dieselben genau geprüft und durchberaten. Danach ging die Versammlung zur Wahl über und wählte einstimmig als Präsidenten des Unterländischen Pferdezuchtverbands Seine Durchlaucht Prinz Löwenstein-Langenzell. Der neue Präsident schenkte dem Verein als Gründungskapital die schöne Summe von 500 Mark. Als zweiter Präsident wurde gewählt Freiherr von Göler-Schatthausen, als dritter Bezirkstierarzt Väth-Mosbach. In den Verbandsausschuss wurden gewählt die drei Herren: Gutspächter Seitz von Babstadt, Josef Baier von Schönfeld (Tauberbischofsheim) und Bezirkstierarzt Väth von Mosbach.
Gründung der Genossenschaft
Kirchardt, 17. Febr. Unter dem Vorsitze des derzeitigen Obmannes des Pferdezuchtvereins für den Bezirk Sinsheim, Herrn Gutspächter Seitz von Babstadt, fand gestern eine Versammlung der Pferdezüchter des Bezirks hier statt, behufs Gründung eines Verbandes einer unterbad. Pferdezuchtgenossenschaft, analog der Genossenschaften von Rindviehzucht. In Begleitung des Obmanns war noch Herr Hauptmann a. D. Fischer aus Karlsruhe und Herr Bezirkstierarzt Väth aus Mosbach erschienen. Der Vorsitzende begrüßte die Versammlung und erteilte das Wort Herrn Hauptmann Fischer, Vorstand des bad. Pferdezuchtvereins. Dieser warf zuerst einen Rückblick auf die Gründung des badischen Pferdezuchtvereins im Jahre 1887 und zeigte, wie derselbe aus kleinen Anfängen sich allmählich zu einem großen Vereine entwickelt hat. Die erste Einführung belgischer Fohlen geschah durch den Verein im Jahre 1888 und wurde dann dieses Jahr solche bezogen, letztes Jahr 148 Stück. Bis jetzt wurden im Ganzen ca. 400 Stück eingeführt. Der geehrte Redner führte weiter aus, dass gerade dieser Schlag Pferde für unsere klimatischen- und Bodenverhältnissen der passendste sei und dass selbst frühere Gegner jetzt solche Pferde einführen. Durch diese große Zunahme des edlen Pferdematerials ist es den derzeitigen Obmännern des bad. Pferdezuchtvereins unmöglich, die jetzt ausgedehnten Geschäfte zu besorgen und so kam man zur Gründung des Verbandes. Derselbe umfasst die Bezirke Tauberbischofsheim, Adelsheim, Mosbach, Sinsheim, Eppingen, Bretten und Heidelberg und führt den Namen: „Verband der unterbad. Pferdezuchtgenossenschaften“. Der Zweck deselben ist: Die einheitliche Zucht der kaltblütigen belgischen Pferde, sowie den Absatz der überschüssigen Tiere durch Verkaufsstellen zu fördern, event. auch bei Ausstellungen gemeinschaftlich aufzutreten. Hierzu bietet nun die Ausstellung in Stuttgart beste Gelegenheit und wird der Verband dort mit etwa 50 – 70 Pferden des belgischen Schlags auftreten.
Als zweiter Redner nahm Herr Bezirkstierarzt Väth von Mosbach das Wort und gab nochmals eine Übersicht über die Gliederung des Verbandes, der bis jetzt 269 Mitglieder mit über 400 Stück prämierter Pferden umfasst. Der Verband legt ein „Zuchtbuch“ an und werden darin alle eingeführten Stuten sowie Fohlen eingetragen. Dieselben erhalten sämtlich das Brandzeichen. Da der Bezirk Sinsheim räumlich sehr ausgedehnt ist, wurde der Vorschlag gemacht, denselben in 3 Genossenschaften mit den Vororten Neckarbischofsheim, Sinsheim und Babstadt, zu teilen und werden die umliegenden Orte angegliedert. Für jede dieser Genossenschaft wird ein Obmann durch die betreffenden Mitglieder selbst gewählt. Auch gab der geehrte Redner beherzigungswerte Winke bezüglich der Aufzucht von Fohlen. Nach kurzer Diskussion schloss der Vorsitzende die Versammlung und sprach den beiden Rednern herzlichen Dank aus für ihre Bemühungen um das Zustandekommen des Verbandes.
Der Verband der unterbad. Pferdezuchtgenossenschaften
von Tierarzt Ad. Maier in Neckarbischofsheim
Am 4. d. M. fand in Mosbach die Gründung des Verbandes der unterbadischen Pferdezuchtgenossenschaften statt, worüber im „Landboten“ bereist auszüglich berichtet wurde. Derselben wohnten bei Herr Graf Bismarck als technischer Referent für Pferdezucht und Herr Hauptmann a. D. Fischer, Vorstand des bad. Ladens-Pferdezuchtvereins.
Zweck des Verbandes ist: „die Zucht des kaltblütigen Pferdes belgischen Schlages zu fördern; Zuchtziel ist ein kräftiges, gutgebrauchtes, tiefes Pferd mit derbem Fleisch, starken Knochen und räumendem Gange.“
Der Verband wird laut § 10 der Satzungen vorerst aus den Genossenschaften der Bezirke Adelsheim, Heidelberg, Mosbach, Sinsheim, Tauberbischofsheim und Wiesloch gebildet, die alle die gleiche Zugrichtung verfolgen. Jedem im badischen Unterlande sich bildende Zuchtgenossenschaft, welche sich diesen Satzungen unterwirft, kann auf Ansuchen in den Verband der unterbadischen Genossenschaften aufgenommen werden vorbehaltlich der Genehmigung des Verbandsausschusses. (Die Bildung von Genossenschaften in den Bezirken Bretten und Eppingen dürfte bald erfolgen.)
Herr Graf Bismarck hob einleitend hervor, dass die Paarung bei der seit deiner Reihe von Jahren eingeführten Original-belgischen Stuten mit den aufgestellten wertvollen Kaltbluthengsten schon viel versprechende Zuchtresultate gezeigt habe.
Der Verband soll dazu dienen, die Zucht in planmäßiger Weise fortzusetzen. Was dem Einzelnen wirtschaftlich nicht möglich ist, kann die Vereinigung Vieler erreichen. Das Beispiel der oberbadischen Viehzucht-Genossenschaften ist beweisfähig genug. An dem nötigen Absatz der Zuchtprodukte fehlt es bei uns sicherlich nicht. Mannheim mit seiner Industrie und seinem bewährten Markte dürfte da in erster Linie in Betracht kommen. Aber auch unsere Gegen selbst dürfte ein günstiges Absatzgebiet bilden. Von weiteren verlockenden Perspektiven soll vorerst noch abgesehen werden.
Um aber auch den Fernerstehenden zu zeigen, was für Pferde im diesseitigen Gebiete gezüchtet werden, ist die Beschickung von Ausstellungen nötig. Dazu biete sich gerade jetzt die beste Gelegenheit, da im Juni des Jahrs die deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft ihre Ausstellung in Stuttgart, also in unmittelbarer Nähe, abhält. Eine Vereinigung aller Züchter des badischen Unterlandes ist deshalb schon jetzt geboten, wenn sie von der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft als Zuchtgenossenschaft angesehen werden soll.
Nach diesen sachkundigen Ausführungen wurde die Tagesordnung eingetreten. Zunächst folgte die Beratung der Statuten, die, von Herrn Bezirkstierarzt Väth in Mosbach nach dem Muster der niederrheinischen Genossenschaften entworfen, mit einigen Abänderungen angenommen wurden.
Es seien hier zwei wichtige Paragraphen, § 11 und 12, angeführt. § 11, der die Aufgaben des Verbandes umfasst, lautet:
Der Verband stellt sich die Aufgabe, die gemeinsamen Interessen seiner Genossenschaften zu verfolgen und zu vertreten, und zwar:
1. durch freiwillige Körung der Zuchtstuten und Führung eines geordneten Stutbuches, das den Nachweis der Abstammung der im Verbande gezüchteten kaltblütigen Pferde erbringen soll,
2. durch Förderung der Einfuhr von guten Stuten des belgischen Schlages,
3. durch Errichtung von Fohlenweiden und Laufgärten,
4. durch Veranstaltung von Schauen und Ausstellungen innerhalb des Verbandsgebiets,
5. durch Beschickung von Ausstellungen und Märkten außerhalb des Verbandsgebiets,
6. durch Hebung und Vermittlung des Absatzes durch Pferdeverkaufsstellen und Pferdemärkte,
7. durch Belehrung der Züchter über alle die Pferdezucht, Aufzucht und Pferdehaltung betreffenden Fragen,
8. durch Besorgung des Reclamewesens.
(Schluss folgt.)
Amtliche Bekanntmachungen
Bekanntmachung
Nr. 18 850 Die Prämierung von Zuchtstuten und Stutfohlen betr.
Bei der am 5. Juni d. Js. dahier stattgehabten staatlichen Prämierung von Zuchtstuten wurden den nachgenannten Besitzern der mit staatlicher Unterstützung aus Belgien eingeführten Stutfohlen Nachlässe am Übernahmepreis derselben erteilt und zwar:
I. im Betrage von je 80 Mk. für im Jahr 1894 eingeführte Fohlen:
1. Wilhelm Seitz in Babstadt f. 3 Fohlen
2. Jakob Albrecht in Babstadt
3. Georg Eckert in Ehrstädt
4. Adam Schmitt in Flinsbach
5. Wilhelm Vierling in Flinsbach
6. Landwirt Wolfhatd in Dühren
7. Karl Bauer in Hasselbach
8. Müller Käfer in Helmstadt
9. Adolf Lauer in Helmstadt
10. Georg Müller in Hilsbach
11. August Dietz in Kirchardt
12. Friedrich Schäfer in Neckarbischofsheim
13. Müller Hettler in Neckarbischofsheim
14. Adam Zimmermann in Rappenau
15. Wilhelm Bauer in Siegelsbach
16. Stefan Goos II. in Siegelsbach
17. Gustav Hoffmann in Siegelsbach
18. Adolf Schwab in Steinsfurth
19. Müller Siegmann in Steinsfurth
20. Karl König in Treschklingen
21. Konrad Hagmaier in Waldangelloch
22. Stefan Goos II. in Siegelsbach
II. im Betrage von je 40 Mk. für im Jahr 1895 eingeführte Fohlen:
1. Bürgermeister Bauer in Adersbach
2. Jakob Albrecht in Babstadt
3. Gutspächter Seitz in Babstadt
4. Wilhelm Vierling in Flinsbach
5. Altbürgermeister Senges Witwe in Flinsbach
6. Adam Schmitt in Flinsbach
7. Müller Wilhelm Heiß in Bargen
8. Gutspächter Funk in Hasselbach
9. Gastwirt Volk in Ehrstädt
10. Adam Laule in Helmstadt
11. Adam Braun in Helmstadt
12. Friedrich Reinmutz in Helmstadt
13. Adam Reinmuth in Helmstadt
14. Gerhard Keller in Hilsbach
15. Karl Bender in Hoffenheim
16. Gutspächter Kuhn in Obergimpern für 2 Fohlen
17. Edmund Hoffmann in Hilsbach
18. Philipp Metzger in Neckarbischofsheim
19. Hugo Woll in Sinsheim
20. Jakob Link in Sinsheim für 2 Fohlen
21. Müller Peter Frei in Sinsheim
22. Müller Brunner in Sinsheim
23. Chr. Flach in Tretschklingen f. 2 Fohlen
24. Friedrich Schimmer in Waibstadt
Die Nachlässe werden durch Gr. Centralkasse für Gewerbe, Landwirtschaft und Statistik an dem noch fälligen Teile des Kaufpreises in Abzug gebracht. Die im Jahr 1894 eingeführten Fohlen können nächstes Jahr zur Erlangung von Zuchtpreisen oder Freideckscheinen und die im Jahr 1895 eingeführten zum Zwecke der Bewilligung eines zweiten Kaufpreisnachlasses von 80 Mark und der Erteilung von Freideckscheinen zur Prämierung vorgeführt werden.
Die Bürgermeisterämter haben diese den Beteiligten mit dem Bemerken zu eröffnen, dass jede Veränderung im Besitzstande der Fohlen bei Vermeidung des Verlustes des bewilligten Kaufpreisnachlasses sofort hierher anzuzeigen ist.
Sinsheim, den 5. August 1896. Großh. Bezirksamt.
Amtliche Bekanntmachungen
Bekanntmachung
Die Förderung der Pferdezucht hier
Nr. 16 168 den Ankauf von Stutfohlen betreffend.
Der Ankauf von Stutfohlen des kaltblütigen Schlages in Belgien wird in diesem Jahre nach Maßgabe der unten genannten Bestimmungen durch den Verband unterbadischer Pferdezuchtgenossenschaften bewirkt werden.
Die Anmeldungen der Bestellungen haben längstens bis 25. Juli d. Js. bei dem bisherigen Bezirksamt zu erfolgen und müssen enthalten:
1. Name und Wohnort des Bestellers;
2. eine Angabe, welchen Betrag das bestellte Fohlen kosten darf (ob bis zu 600 bezw. 800 Mk. oder mehr). Fehlt bei der Bestellung eine derartige Angabe, so wird angenommen, dass eine Preisgrenze nicht festgestellt ist;
3. eine Erklärung, dass der Besteller mit den in der Anlage enthaltenen Bedingungen einverstanden ist.
Die Bürgermeisterämter werden angewiesen, dies in der Gemeinde bekannt zu machen.
Sinsheim, den 3. Juli 1896.
Großh. Bezirksamt: Reim
Bestimmungen
nach welchen im laufenden Jahre mit staatlicher Unterstützung kaltblütige Stutfohlen zum Ankauf und zur Verteilung gelangen:
1. Der Ankauf geschieht durch den Verband unterbadischer Pferdezuchtgenossenschaften und unterliegt der Kontrolle des technischen Beamten für Pferdezucht im Gr. Ministerium des Inneren.
2. Je nach dem Ankaufspreis werden die Fohlen in folgende 3 Kategorien eingeteilt:
I. Stuten zu einem Preis über 800 Mk.,
II. Stuten zu einem Preis zwischen 600 und 800 Mk.,
III. Stuten zu einem Preis unter 600 Mk.
Falls nicht alle Bestellungen berücksichtigt werden können, werden die ausfallenden Besteller durch den technischen Beamten im Ministerium des Inneren bezeichnet.
3. Die Großh. Regierung trägt die Kosten des Ankaufs der Stutfohlen in Belgien.
4. Die Großh. Regierung bestreitet ferner vorschussweise den Ankaufspreis der Stutfohlen; ein Drittel desselben ist Seitens der Besteller bezw. Übernehmer innerhalb 14 Tagen nach der Übernahme des Stutfohlens, das zweite Drittel ein Jahr und das letzte Drittel zwei Jahre nach der Übernahme an die Centralkasse für Gewerbe, Landwirtschaft und Statistik zurückzuzahlen. Für richtige Einhaltung der Zahlungstermine sind zahlungsfähige Bürgen und Selbstschuldner zu stellen.
5. Auf tadellos gehaltene Stutfohlen wird, wenn sie der Prämierungskommission bei Gelegenheit der Prämierungstagfahrten vorgeführt werden, je nach Befund ein Preisnachlass gewährt, welcher im Jahre 1897 40 Mk., im Jahre 1898 80 Mk. betragen kann.
6. Die Beurteilung der Fohlen geschieht durch den Verband zu bestimmenden Ort im Großherzogtum Baden. Ort und Stunde der Verteilung ist den Bestellern von Stutfohlen durch den Verband bezw. durch die Genossenschaften rechtzeitig bekannt zu geben.
7. Die Verteilung der Fohlen geschieht in der Wise, dass der Verband jeder Genossenschaft die von derselben bestellte Fohlenzahl und Fohlenkategorie zweist. Nichtverbandsmitglieder, welche bei der Fohlenbestellung den Wunsch ausgesprochen haben, für den Bezug einer bestimmten Genossenschaft zugeteilt zu werden, erhalten ihre Fohlen durch dieselbe, die übrigen Nichtmitglieder durch die ihrem Wohnsitz zunächst liegende Genossenschaft. Innerhalb der Genossenschaft werden dann, je nach Wunsch der Mehrzahl der Besteller (einschließlich derjenigen, welche nicht Verbandsmitglieder sind), die Fohlen entweder den Bestellern durch den Obmann zugeteilt oder versteigert.
8. Die etwaige Versteigerung findet in folgender Weise statt:
a) Das erstmalige Ausgebot erfolgt zum Ankaufspreis des betr. Fohlens.
b) Der etwaige in einer Klasse sich ergebende Mehrerlös wird nach Maßgabe der Steigerungspreise an die Steigerer zurückvergütet, einen etwaigen Mindererlös haben dieselben nach dem gleichen Maßstabe zu ersetzen.
c) Jeder Besteller ist verpflichtet, sich an der Versteigerung maßgeblich seiner Bestellung zu beteiligen.
d) Die beiden letzten Tiere werden den durch die Versteigerung noch nicht versorgten Bestellern durch das Los zugewiesen.
e) Werden die Fohlen im Versteigerungswege nicht sämtlich abgesetzt, so sind die übrig gebliebenen nach Maßgabe der Bestellungen von denjenigen Bestellern zu übernehmen, die bei der Versteigerung Fohlen entweder nicht oder nicht in der bestellten Zahl erworben haben. Die Zuteilung geschieht in diesem Falle durch das Los und gilt als Kaufpreis der Ankaufspreis des betr. Fohlens.
9. Der Übernehmer des Stutfohlens hat sich zu verpflichten:
a) Das Fohlen kräftig zu nähren und gut aufzuziehen,
b) dasselbe nicht ehe es 2½ Jahre alt geworden ist, zu beschlagen oder zur Arbeit zu verwenden,
c) das Tier spätestens im Alter von 4 Jahren zur Paarung einem kaltblütigen Hengste zuzuführen,
d) das Tier nur an badische Züchter, welche die hier aufgeführten Verpflichtungen übernehmen, und auch dann nur mit Genehmigung des Großh. Ministeriums des Inneren zu veräußern,
e) das Fohlen sofort nach der Übernahme bei der Badischen Pferdeversicherungs-Anstalt zu versichern und dort so lange versichert zu halten, bis die letzte Kaufpreisrate berichtigt ist,
f) das Fohlen bezw. die Stute alljährlich bis zum Eintritt der Zuchttauglichkeit der staatlichen Prämierungskommission vorzuführen,
g) das Fohlen in das Stutbuch des Verbandes unterbadischer Pferdezuchtgenossenschaften eintragen zu lassen und die mit dieser Eintragung verbundenen Verpflichtungen und Kosten zu übernehmen.
Landbote 1900 Die Zucht nimmt Fahrt auf
Für die Herren Pferdezüchter
dürfte es ganz gewiss von hohem Interesse sein, zu erfahren, dass in nächster Zeit eine Kommission aus dem Elsass bei uns 8 bis 10 Stück einjährige gute Stutfohlen abkaufen will, dieselben müssen von importierten Zuchtstuten und ebenso staatlich subventionierten belgischen Zuchthengsten gezogen sein.
Es ist dies für unsere Pferdezüchter gewiss ein sehr erfreuliches Zeichen, dass wir uns allmählich doch gute Absatzgebiete erwerben, und ist zu hoffen, dass oben angegebene Kommission, die bis jetzt ihren Bedarf immer direkt in Belgien bezogen hat, auch gute Preise anlegt, was im Interesse unserer Züchter sehr zu wünschen wäre.
An unser Pferdezüchter ergeht daher das ergebene Ersuchen, ihre verkäuflichen einjährigen Stutfohlen umgehend bei dem Unterzeichneten anzumelden.
Landbote 1902 Fohlen, Fohlenschauen und der erste Fohlenmarkt in Sinsheim
Verschiedenes
Sinsheim, 7. April. (Verband unterbadischer Pferdezuchtgenossenschaften.) Auf der Verbands-Fohlenweide Eichhof, Bezirk Mosbach, werden auch in diesem Jahre unter den im letzten Jahre festgesetzten Bedingungen Wallachen und Stutfohlen von 1-3 Jahren und Hengstfohlen bis zu 1½ Jahren aufgenommen. Der Weidebetrieb beginnt im Mai an einem noch näher bekannt zu gebenden Tage. Die Weidetaxe beträgt für Verbandsfohlen unter 2 Jahren 70 Mk, über 2 Jahren 80 Mk. Von dieser Summe ist die Hälfte beim Auftrieb, die andere Hälfte bis zum 15. Juli d. Js. an den Verbandsrechner, Herrn Verwalter Dahmen aus Langenzell oder and den Weidewart Herrn I. Reil, zu bezahlen. Nicht-Verbandsmitglieder bezahlen 10 Mk. mehr. Für Fohlen von Ausländern und für solche, welche nicht nach staatl. subventionierten Hengsten gehalten sind, sind noch weitere 45 Mk. zu bezahlen. Anmeldungen sind alsbald, längstens aber bis zum 20. April 1902 an Herrn Zuchtinspektor Lehndecker, Heidelberg, Bergheimer Str. 64, zu richten, woselbst auch alle näheren Bedingungen zu erfahren sind.
Verbandsfohlenweide
Sinsheim, 21. Okt. Die Verbandsfohlenweide des unterbadischen Pferdezuchtverbandes auf dem Eichhof war diesen Sommer besetzt mit 51 Fohlen, darunter 43 Jährlinge und 8 Zweijährige, 21 Stuten, 8 Wallache und 22 Hengste. Infolge der nasskalten Witterung des Frühsommers erkrankten leider einige Fohlen an Lungenentzündung und Druse. Ein Fohlen verendete an ersterem Leiden, ein anderes bleibt dauernd geschädigt. Die übrigen gesund gebliebenen Tiere entwickeln sich recht gut und es sind bei denselben folgende Gewichtszunahmen zu konstatieren: 1. Bei Jährlingen im Maximum 111 kg, im Minimum 23 kg, im Durchschnitt 67,1 kg. Die Weide wurde eröffnet am 17. Mai und Ende September geschlossen. Ein Teil der Fohlen verbleibt auf der Weide bis zum Winter. Nach Herkunft waren aus dem Bezirk: Heidelberg 14 Stück, Mosbach 10, Adelsheim 9, Sinsheim 3, Tauberbischofsheim 4, Eberbach 4, Eppingen 2, Wiesloch, Wertheim, Schwetzingen, Buchen und Bretten je 1 Stück.
Verbandsfohlenweide Eichhof
Sinsheim, 23. April. Anfangs Mai wird die Eröffnung der Verbandsfohlenweide Eichhof stattfinden. Die Anmeldungen aus unserem starken Pferdezucht betreibenden Bezirk dürften etwas zahlreicher sein, zumal doch die Auslagen keine großen sind und der Züchter die Gewissheit hat, dass seine Fohlen gut aufgehoben sind. Die Fohlen erhalten neben dem Weidfutter täglich 3 kg Hafer und 3 kg Heu. Der Umstand, dass der Aufenthalt in Gottes freier Natur die jungen Tiere für die späteren Strapazen stählt und kräftigt, sollte schon allein genügen den Besitzer zu bestimmen, die günstige Gelegenheit eines billigen Weidganges ihren Pfleglingen angedeihen zu lassen.
Landwirtschaftliche Ausstellung Mannheim
Sinsheim, 15. April. Bei der im Juni in Mannheim stattfindenden landwirtschaftlichen Ausstellung wird unsere heimische Pferdzucht gebührend vertreten sein. Der Verband unterbadischer Pferdezuchtgenossenschaften stellt im Ganzen 54 Pferd aus. Zu dieser Anzahl stellt unser Amtsbezirk allein 15 Stück, also mehr als ¼. An Hengsten sind zu nennen der altbekannte Carthago I des Heinrich Kopp in Kirchardt, ferner die Junghengste Carthago II, Max und Fritz des genannten Herrn, sodann den Junghengst Carminus des Heinr. Huber G. S. von Hilsbach. Ferner kommen an weiblichem Material folgende Pferde nach Mannheim: Lies Nr. 558 des Gg. Bräunling I von Reihen, Meta Nr. 1018 des Heinr. Vierling von Neuhaus, Rosa Nr. 407 des Phil. Metzger von Neckarbischofsheim, Fanny Nr. 1019 und Hanna Nr. 708 des Hein. Huber G. S. von Hilsbach, Wolga Nr. 1020 der Gutsverwaltung Grombach, Eva Nr. 522 de Gg. Bauer von Adersbach, Calma Nr. 825 des Wilh. Störner von Babstadt, Clara Nr. 558 des Gg. Bräutling von Reihen, Camilla Nr. 822 des Wilh. Störner von Kirchardt. An die oben genannten Züchter sei auch auf diesem Wege nochmals die dringende Mahnung gerichtet, ihre Pferde, wie man sagt, in die richtige Ausstellungskondition zu bringen. Der Verband stellt die Pferde nicht wie die Rinder zur gemeinsamen Fütterung und Pflege zusammen, sondern überlässt die entsprechende Vorbereitung des Tieres dem Züchter selbst. Wer sein Pferd gut füttert, richtig vorbereitet und sodann befriedigend vorstellt, erhält von dem Verband ein angemessenes Futtergeld ausbezahlt. Hervorzuheben ist schließlich noch, dass das Beschläg in Mannheim ebenfalls einer Beurteilung unterzogen werden wird und dass sich deshalb die Hufschmiede angelegen sein lassen müssen, ein richtiges Beschläg zu liefern und mit dem alten Schlendrian zu brechen.
Erfolge bei der Landwirtschaftlichen Ausstellung in Mannheim
)( Der Verband unterbadischer Pferdezuchtgenossenschaften war auf der Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Mannheim mit einer Auswahl seiner kaltblütigen Pferde vertreten und hat daselbst recht schöne Erfolge erzielt. Unter anderem fielen ihm folgende Preise zu: 1. Der Ehren-Zuschlagspreis Seiner Königlichen Hoheit des Erbgroßherzogs Friedrich von Baden, bestehend in einer silbernen Jardiniere [Anmerkung: Pflanzgefäß], sowie der 1. Preis von 650 Mark für eine Sammlung selbstgezüchteter dreijähriger Fohlen. 2. Der Sieger-Ehrenpreis Seiner Großherzoglichen Hoheit des Prinzen Maximilian von Baden, bestehend in einer silbernen Kanne und der 1. Preis mit 500 Mark für den Hengst Jupiter der Familie. 3. Der 3 Preis von 150 Mark für den Hengst Carthago mit Familie, Eigentümer Herr Heinrich Kopp I. in Kirchardt. 4. Der 1. Preis von 200 Mark für die Zuchtfamilie des G. Hackenberger von Elsenz. – Außerdem an Einzelpreisen: 1. Zwei erste und ein dritter Preis für Hengste. 2. Ein Sieger-Ehrenpreis, ein Ehrenpreis, zwei erste, zwei zweite, und ein dritter Preis für Stuten, sowie zwei Anerkennungen. Vor allem bemerkenswert und hocherfreulich sind die Erfolge, welche der Verband mit den selbstgezüchteten Pferden errungen hat, beweisen sie doch auch dem Fernstehenden, dass die unterbadischen Pferdezüchter sich auf dem rechten Wege befinden, und werden die letzten zu weiterer zielbewussten Arbeit in der ihnen in Mannheim gewordenen Anerkennung einen kräftigen Ansporn finden. Die Zucht des kaltblütigen Pferdes in Unterbaden kann jedoch der Einfuhr guter Stutfohlen aus Belgien nicht entbehren. Auch in diesem Jahr werde solche, mit stattlicher Unterstützung wieder eingeführt und es steht zu hoffen, dass die Züchter von der überaus günstigen Gelegenheit, sich eine gute Stute zu erwerben, reichlich Gebrauch machen werden.
Der erste Fohlenmarkt in Sinsheim wird geplant
Sinsheim, 13. August. Der Verband der unterbadischen Pferdzuchtgenossenschaften beabsichtigt im September oder Oktober d. J. im Verbandsgebiet einen Fohlenmarkt abzuhalten. Um nun eine annähernde Übersicht über den Umfang des Marktes zu erhalten, werden die Pferdezüchter und Mitglieder des Verbandes ersucht, die vorläufigen Fohlen nach Alter, Geschlecht und womöglich auch Farbe schon im Voraus beim Obmann, Herrn Bezirkstierarzt Römer hier, zu melden. Bemerkt wird noch, dass für den ersten Markt als Anfangsfohlenmarkt, Weggelder in Aussicht genommen sind und wenn möglich, sollen die unverkauft gebliebenen Fohlen frachtfrei zurückbefördert werden. Eine recht zahlreiche Beteiligung würde zur Hebung und Reklame unserer unterbad. Pferdezucht von wesentlichem Vorteil sein.
Verschiedenes Ankündigung erster Verbandsfohlenmarkt
Sinsheim, 28. Okt. Der Verband unterbadischer Pferdezucht-Genossenschaften, welcher sich bekanntlich die Zucht eines mittelschweren bis schweren kaltblütigen gängigen Arbeitspferdes zur Aufgabe gemacht und zu diesem Zwecke seit Jahren schon bestes männliches und weibliches Zuchtmaterial aus Belgien importiert hat, wird, wie bereits mitgeteilt, am Dienstag, den 25. November d. J. in Sinsheim seinen ersten Verbandsfohlenmarkt abhalten, auf welchen wir alle Interessenten, sowohl Züchter als Käufer vorläufig an dieser Stelle aufmerksam machen wollen. Selbstverständlich soll der Markt in erster Linie Verbandsmitgliedern Gelegenheit geben, ihre entbehrlichen Zuchtprodukte abzusetzen und haben diese für Fohlen bis zu einem Jahr ein Standgeld von 1 Mark, für ältere Fohlen und Pferde 2 Mark Standgeld zu bezahlen. Auch Nichtmitglieder des genannten Verbandes, sowie sie im Verbandsgebiet wohnen, können Fohlen und Pferde auf den Markt bringen, gegen ein Standgeld von 5 Mark pro Stück. Handelspferde sind ausgeschlossen. Als Käufer ist Jedermann willkommen und ist für Einstellgelegenheit der Fohlen und Pferde vor und nach dem Markt zu sorgen. Nach den Erfolgen, welche der Verband auf den von ihm besuchten Ausstellungen, zuletzt dieses Jahr in Mannheim, errungen hat, ist nicht zu bezweifeln, dass der Markt auch von Käufern aus Baden, Württemberg und Hessen gut besucht werden wird. – Nähere Auskunft über alle den Markt betreffende Fragen erteilt bereitwillig der Sekretär des Verbandes der unterbad. Zuchtgenossenschaften, Herr Zuchtinspektor Lehendecker in Heidelberg.
Ankündigung
Sinsheim, 9. Novbr. Zu dem Verbandsfohlenmarkt Sinsheim ist zu bemerken, dass nach Mitteilung des Herrn Verbandspräsidenten, Seiner Durchlaucht des Prinzen A. zu Löwenstein, denjenigen Käufern aus Oberbaden, welche auf dem Verbandsfohlenmarkt in Sinsheim Stutfohlen erwerben, seitens des Großh. Ministeriums des Inneren Kaufpreisnachlässe in Aussicht gestellt sind. Dadurch ist den badischen Pferdezüchtern Gelegenheit gegeben, eher bei uns einkaufen zu können.
Aufforderung an die Pferdebesitzer
Sinsheim, 13. Novbr. Der Verband unterbadischer Pferdezucht-Genossenschaften wird am Dienstag, den 25. November d. Js. seinen ersten Verbandsfohlenmarkt in Sinsheim abhalten. Nachdem genannter Verband, welcher die Züchtung eines mittelschweren bis schweren kaltblütigen gängigen Arbeitspferdes (Belgier) zum Ziele hat, schon auf verschiedenen Ausstellung der Deutschen Landw. Ges. zuletzt dieses Jahr in Mannheim, gut ausgestellt und zahlreiche Preise geholt, ist hier zum erstenmale Gelegenheit geboten, Zuchtprodukte derselben auf einem Markte zu erwerben. Bei der großen Anerkennung, welche das kaltblütige Pferd in Folge seiner Frühreife, Anspruchslosigkeit, Arbeitswilligkeit und Leistungsfähigkeit allenthalber gefunden hat, ist zu erwarten, dass sich auf dem Markt ein lebhafter Verkehr entwickeln wird. Wir können daher den Besuch des Marktes nur empfehlen und verweisen Interessenten auf das Inserat in heutiger Nummer.
Ankündigung
Sinsheim, 24. Nov. Wie bekannt wird der erste Fohlenmarkt des Verbandes unterbadischer Pferdezuchtgenossenschaften morgen Dienstag hier abgehalten. Wir möchten nunmehr die Pferdezüchter und Pferdebesitzer auch noch einmal an dieser Stelle dringend ersuchen, den Markt zahlreich zu befahren. Der Bezirk Sinsheim ist das stärkste, Pferdezucht treibende Gebiet des unterbadischen Verbandes und es wäre daher blamabel, wenn derselbe nicht würdig vertreten wäre. Wir können versichern, dass sich schon einige Kommissionen vom Oberland und verschiedene Händler aus der Pfalz und aus Hessen angemeldet haben, die ihren Bedarf anlässlich des hiesigen Marktes decken wollen. Der Markt beginnt morgens 8 bezw. ½ 9 Uhr und wird mittags 1 Uhr geschlossen. Während desselben ist die Friedrichstraße vor der Stadtwiese bezirksamtlich gesperrt.
Verschiedenes Der erste Fohlenmarkt in Sinsheim
Sinsheim, 25. Nov. Der heute hier abgehaltene Verbandsfohlenmarkt war trotz der gestrigen, ungünstigen Witterungsaussichten von Nah und Fern zahlreich beschickt. Im Ganzen waren aus dem unterbadischen Verbandsgebiet 119 Fohlen und 17 sonstige Pferde aufgeführt; Verkäufe wurden in Fohlen 16 und in älteren Pferden 3 abgeschlossen. Die verkauften Tiere gingen nach Unterbaden und Oberbaden, einige auch ins Württembergische. Die erzielten Preise sind als sehr gute zu bezeichnen, und es wären sicherlich noch mehr Käufe abgeschlossen worden, wenn die ans ich guten Fohlen etwas billiger feil geboten worden wären. Im allgemeinen kann man sich mit dem Resultat dieses Marktes zufrieden geben, denn derselbe gab ein anschauliches Bild unserer vorgeschrittenen Zucht und wird jedenfalls auf die Erweiterung unserer Absatzquellen nicht ohne Einfluss sein. Außer dem Verbandspräsidenten Sr. Durchlaucht Prinz zu Löwenstein und des Herrn Baron von Göler in Schatthausen waren als Gäste bezw. Vertreter des Großh. Regierung Herr. Gh. Oberregierungsrat Dr. Krems und Großh. Herr Amtsvorstand Nußbaum von Mosbach und Freiherr von Bahlingen zu Altheim, Präsident des Schwarzwälder Pferdezuchtvereins und Andere erschienen.
Landbote 1928
Fohlenmarkt
Die Schau machte einen recht guten Eindruck, es wurden eine Anzahl sehr typischer Stuten vorgeführt. Stuten, die keine Aussicht auf die Zuerkennung eines Preises hatten, blieben der Schau von vorne herein fern. Erziehungs- und Pflegezustand der vorgeführten Tiere war durchweg sehr befriedigend. Ein Fortschritt in der Pferdezucht des Bezirks ist unverkennbar. Auch die Hufbeschlagsbewertung fiel ziemlich gut aus, wenn auch hier noch manches zu wünschen übrig bleibt, hauptsächlich öfteres Erneuern des Beschlägs ist notwendig. Die so ausgiebige Preisverteilung war ermöglicht durch die vielen Zuwendungen verschiedener Stellen zu diesem Zweck: Ministerium des Inneren 805 RM, Kreisrat Heidelberg 150 RM, Züchter Schmutz Bockschaft, Zuckerfabrik Waghäusel, Sinsheimer Geschäftsleute, Vereinsbank, Kornhaus und Stadtgemeinde Sinsheim u.a. zusammen 536 RM, Einstandsgelder 50 RM, ferner 5 Freideckscheine der Hengshalter u.f.f. Bei dieser Gelegenheit sprach der Redner allen Spendern namens der Genossenschaft nochmals den verbindlichen Dank für die hochherzigen Gaben aus, nicht ohne Ermahnung an die Züchter auszuharren und nur bestes zu leisten, wenns auch bei diesen gegenwärtigen Zeiten der schweren Not bitter und hart vorkommt. Nach Erstattung des Geschäftsberichts sprach Tierzuchtassistent Dr. Metzger über den Stand der Pferdezucht im Reich, Land, und insbesondere auch im Bezirk Sinsheim, ferner über die Auswahl der Zuchttiere, Aufzucht der Fohlen, über Zuchtziel und Rentabilität. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Nachzucht noch mehr Interesse und Liebe entgegengebracht werden sollte, damit nicht so viele Pferde aus dem Ausland eingeführt werden müssen, wie bisher, wenn man bedenkt, dass im Jahre 1927 nach Deutschland allein etwa 30 000 Pferde aus dem Ausland eingeführt wurden. Baden allein hat im Jahre einen Bedarf von etwa 4 bis 5000.Interessant ist die Feststellung, dass unter den im Bezirk Sinsheim vorhandenen 2909 Pferden allein 2700 landwirtschaftliche Arbeitspferde sind. Vor dem Kriege gehörten von dem Pferdebestand 65 Prozent dem Warm- und 65 Prozent dem Kaltblutschlage an; heute ist das Verhältnis gerade umgekehrt. Über die Auswahl der Zuchttiere, Aufzucht der Fohlen, über Zuchtziel und Rentabilität, machte der Redner interessante Ausführungen. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Interesse aufgenommen. Herr Landrat Strack und Herr Stadtrat Stoll als Vertreter der Stadtgemeinde Sinsheim baten um zahlreiche Beschickung des Jubiläums-Fohlenmarktes am 7. März ds. Js. in Sinsheim mit Fohlen. Aber auch solche Landwirte und Pferdezüchter, welche keine Fohlen auf den Markt verbringen können, mögen erscheinen, damit gezeigt wird, dass der Pferdezucht ein lebhaftes Interesse entgegengebracht wird. Nach Besprechung über verschiedene die Pferdezucht betreffende Tagesfragen und insbesondere auch über Gestaltung des Fohlenmarktes über Veranstaltung on Zugleistungsprüfungen und dergl. wurde die Verteilung der staatlichen und genossenschaftlichen Prämien und Freideckscheine vorgenommen.
Der starke Mitarbeiter
Die Blut-und-Boden-Ideologie im Dritten Reich verhinderte den Fortschritt in der Landwirtschaft und förderte gleichzeitig die Zucht von schweren, kaltblütigen Arbeitspferden, deren goldene Zeiten eigentlich längst der Vergangenheit angehörten.
Nachfolgend finden Sie die Transkription der originalen Zeitungsartikel aus der Volksgemeinschaft und dem Landboten ergänzend zur Ausstellung
Die Volksgemeinschaft 1930er Jahre
Sonntag, den 3. März 1935 „Volksgemeinschaft“
Sinsheimer Fohlenmarkt am 7. März
Der Fohlenmarkt und seine wirtschaftliche Bedeutung
Vom Bürgermeister Rieg, Sinsheim
„Ein weiteres Jahr des Aufbauens unter der Führung Adolf Hitlers liegt hinter uns. Sein Ergebnis ist allgemeine Festigung und weiterer Aufstieg in fast allen Wirtschaftszweigen. Das ganze deutsche Volk nimmt Teil an den unbestreitbaren Erfolgen der Regierungskunst unseres herrlichen Führers. Zu den Berufsständen, die bewusst eine besonders starke Förderung erhalten haben, gehört in erster Linie auch die deutsche Landwirtschaft, der Reichs-nährstand. Es ist eine glückliche wiedergefundene Erkenntnis, dass ein gesunder Bauernstand des beste und stärkste Fundament eines jeden Volkes bildet und seine Pflege und wirtschaftliche Betreuung deshalb Erfordernis vordinglicher Art ist, die sich am schnellsten für die Gesamtwirtschaft und das Volk segensreich auswirken werden.
Mannigfaltig ist das Schicksal, das den ganzen Weg des Nährstandes in Jahren vor dem Krieg sowie der Nach-kriegszeit kennzeichnet. Es würde zu weit führen, hier darauf einzugehen, wie in unbeständigem Wechsel Aufstieg und Niedergang einander ablösten, wobei es interessant oder besser gesagt traurig ist, festzustellen, dass Zustandsformen im gleichen deutschen Vaterlande in verschiedenen Gebieten gleichzeitig auftreten konnten. Dass hier durchgreifende, allgemeine und ausgleichende Maßnahmen nötig waren, liegt auf der Hand. Von den mehr auf gesetzgeberischen Gebiet liegenden Dingen abgesehen, gibt es aber noch viele Einrichtungen und Veranstaltungen, deren Zweck ist, mittelbar oder unmittelbar dem Wohle der Entwicklung der Landwirtschaft zu dienen. Hier interessieren uns heute nur die Märkte und Schauen für landwirtschaftliche Haustiere.
Das Vorhandensein dieser Märkte schon in den fernsten, vergangenen Zeiten und ihre Beibehaltung auch in der jetzigen, neuen Zeit beweisen, dass sie als besonders wertvoll zum Nutzen der Landwirtschaft anzusehen sind. Derartige Veranstaltungen sind nötig zum zweckmäßigen Austausch, zum Verkauf und Ankauf der Tiere, sie dienen aber auch ganz vorzüglich zur Prüfung der eigenen Zuchtarbeit, zum Lernen und Ansporn. Darüber hinaus wird aber auch die Aussprache mit dem Standesgenossen willkommene Anregungen geben, die sich wieder zum eigenen Vorteil, wie der Gesamtheit auswirken werden.
Eine Einrichtung, die in besonders hohem Maße den erwähnten Möglichkeiten und Absichten dient, ist der weitbekannte und beliebte Sinsheimer Fohlenmarkt, der am Donnerstag, den 7. März 1935 nunmehr zum 31. Male abgehalten wird. Seine immer gute Beschickung, sein immer guter Besuch aus Nah und Fern stempeln ihn zur wichtigsten Veranstaltung dieser Art im badischen Unterland. Wie alljährlich, so ist auch heuer wieder der Tag mit einem inhaltsvollen und reichhaltigen Programm ausgestattet, das außer den, den eigentlichen Fohlenmarkt betreffenden Punkten, wie immer den prächtigen und sehenswerten Festzug aufweist, sowie die Lotterie mit ihren vielen wertvollen Fohlen-, Sach- und Geldgewinne. Gerade auch der Wert der Lotterie darf nicht verkannt werden, kommt sie doch vor allem durch den Ankauf schöner und wertvoller Fohlen zu gewinnen den Interessen der Züchter zu gut. Jeder Loskäufer dient daher der Sache der Landwirtschaft und trägt mit dazu bei, eine für die Förderung der Pferdezucht bedeutsame Veranstaltung großzügig durchzuführen.
So wird nun auch dieses Jahr wieder der beliebte Sinsheimer Fohlenmarkt durchgeführt und zu seinem Teil dazu helfen, der Landwirtschaft eine hervorragende Gelegenheit zum Austausch in materieller und ideeller Hinsicht zu bieten. An alle Bauern, Freunde und Gönner nah und fern ergeht wieder die Einladung zum Besuche des Sinsheimer Fohlenmarktes, wobei noch bemerkt wird, dass die Reichsbahn für diesen Tag Sonntagsrückfahrkarten ausgibt auf allen Bahnhöfen bis 75 km Entfernung von Sinsheim. Auch im Jahre 1935 heißt daher die Parole: Auf nach Sinsheim!“
Bildunterschrift Bild oben: Stute Marie mit 2 Söhnen und 2 Töchtern, Züchter und Besitzer: Daniel Bachmann, Althof bei Bretten, Pf. Z.V. Bretten
Bildunterschrift Bild unten: Unterbadische Kaltblutstute, zweijährig „in der Schule“ unter liebevoller Führung
Von der Unterbadischen Kaltblutzucht
Von Dr. Zettler
Mit der gesamten Landwirtschaft hat die deutsche Pferdezucht durch die Maßnahmen der Reichsregierung eine besondere Förderung erfahren. Noch in der Zeit vom 1.7.32 bis 8.7.33 waren 18 701 Pferde aus dem Auslande eingeführt worden; die Einfuhr steigerte sich von Monat zu Monat, sodass wir im folgenden Jahre mit einer Einfuhr von schätzungsweise 30 000 Pferden hätten rechnen müssen. Damit wäre die deutsche Pferdezucht dem Niedergang geweiht gewesen. Die Reichsregierung hat deshalb ein Einfuhr-Kontingent von 13 100 Stück für die Zeit vom 1.10.33 bis 30.9.34 festgesetzt, das sind 10 Prozent der Einfuhr des vorhergehenden Jahres. Eine vollkommene Drosselung konnte nicht in Frage kommen, weil die eigene Produktion den Bedarf nicht hätte decken können. Mangel an Pferden und damit Störung der Wirtschaft und allzu hohe Preise wären unvermeidbar gewesen. Die Wirkung der Kontingentierung machte sich bald in steigenden Preisen bemerkbar, die wiederum einen Anreiz zur Förderung der Zucht gaben. So sehen wir denn die Fohlenzahl der in Deutschland geborener Fohlen seit 1932 in steil steigender Kurve sich heben. Sie betrug 1932 = 132 000, 193 3= 145 000, 1934 = 175 000 und dürfte bei 383 000 Bedeckungen im vergangenen Jahre rund 210 000 Fohlen im Jahre 1935 erreichen. Damit ist der Zustand in greifbare Nähe gerückt, dass die Fohlenproduktion rein zahlenmäßig sich der Zahl der jährlich abgehenden Arbeitspferden nähert. Diese letzte ist bei einem Bestand von rund 3,4 Millionen Pferden etwa mit 220-230 000 anzunehmen. Trotzdem haben wir zunächst nicht mit einem Überangebot von fertigen Pferden zu rechnen, denn der starke Fohlenjahrgang von 1935 wird sich erst in 3-4 Jahren bemerkbar machen. Dazu besteht immer noch eine Überalterung des Pferdebestandes, insofern, als rund 50 Prozent der Pferde über 9 Jahre alt sind, in Baden sogar 56 Prozent. Unter diesen sind Abgänge durch Tod und Arbeitsunfähigkeit naturgemäß größter. Mit einem wesentlich höheren Bedarf an Pferden ist jedoch zunächst nicht zu rechnen, wenn auch manche Betriebe wieder zum organischen Motor, dem Pferd, zurück kehren, für das sie den Treibstoff aus eigener Scholle produzieren.
Siedlung und allgemeine wirtschaftliche Besserung wirken sich doch für die Pferdezüchter günstig aus. Die Preise für gute Pferde werden deshalb in absehbarer Zeit keine Minderung erfahren. Die bei der letzten Pferdezählung vom 5. Dezember 1934 festgestellte Verminderung der Gesamtpferdezahl von 0,7 Prozent gegenüber dem Stand von 1933 betrifft nur die älteren über 9 Jahre alten Pferde, während die jüngeren Jahrgänge eine Zunahme erfahren haben. Dieser Vorgang darf wohl als ein Zeichen der Besserung der Gesamtlage der deutschen Landwirtschaft gedeutet werden, die wieder eher in der Lage ist, alte Pferde durch jüngere, leistungsfähigere zu ersetzen.
Und doch wäre es falsch, aus dieser Lage den Schluss zu ziehen, dass eine ungehemmte Fohlenproduktion ohne geeignete Zuchtgrundlage im Interesse der Pferdezucht oder der Gesamtwirtschaft läge. Im Gegenteil! Es wird Sache der Züchterorganisationen und vielleicht staatlicher Maßnahmen sein, das beobachtete und noch zu erwartende vermehrte Zuwenden zur Pferdezucht in die richtigen Bahnen zu lenken, damit keine planlose Vermehrung des Pferdebestandes eintritt, die zu schweren Rückschlägen führen müsste. Die züchterliche Beratung hat deshalb vor allem dahin zu wirken, dass in erster Linie nur bestes Zuchtmaterial in der Zucht Verwendung findet, um nur gute Fohlen heranzuziehen. Ein eintretender Überfluss an geringen und mittleren Pferden schadet dem Rufe des deutschen Züchters und führ zur Pferdeinflation mit all ihren katastrophalen Folgen, wie wir sie noch 1926 erlebt haben. Es wurde oft behauptet, die Pferdeeinfuhr nach dem Kriege hätte damals die deutsche Pferdezucht ruiniert. Das ist nur zum Teil richtig und aus nachstehenden Zahlen hervor. In den 3 Jahren 1924 bis 1926 wurden nach Deutschland nur 80 990 Pferde eingeführt und trotzdem hatten wir 1926 rund 66 000 Pferde mehr als 1913, obgleich der Weltkrieg unseren Pferdebestand stark dezimiert hatte. Das war die Folge des damaligen Grundsatzes: „Jede Stute zum Hengst.“.
Eine sachgemäße, gesunde, naturgemäße Aufzucht, Fütterung und Pflege hat dafür zu sorgen, dass die Verluste an Fohlen auf ein Mindestmaß herabsinken und die anderen zu gesunden und leistungsfähigen Pferden heranwachsen. Dafür ist Weidegang eine notwendige Voraussetzung; im Stalle gedeiht kein leistungsfähiges Pferd, und Tummelplätze sind nur schwache Notbehelfe. Die unterbadischen Kaltblutzüchter haben in den Jungvieh- und Fohlenweiden Unterbadens die Möglichkeit, ihren Fohlen die Wohltat mindestens einer, besser von zwei Sommerweidegängen zu geben. Allen voran steht die Fohlenweide Sinsheim im Besitze des Verbandes der Unterbadischen Pferdezüchter, auf der jährlich 60-80 Fohlen laufen. Auf ihr sind seit dem Jahre 1923 über 1200 Fohlen (neben 500 Rindern) im Sommer gelaufen, eine größere Anzahl davon auch während des Winters. Daneben hat sie 65 Stut- und ebensoviele Hengstfohlen als Absetzer von den Züchtern abgekauft und sie im arbeitsfähigen Alter an Züchter und Bauern wieder abgegeben. Aus diesen Hengstfohlen sind 14 Deckhengste hervorgegangen. Diese und die Stutfohlen wären der unterbadischen Zucht sonst verloren gegangen, indem sie außer Landes verkauft worden wären.
Die in Unterbaden seit 1931 jährlich stattfindende Zugleistungsprüfungen haben den einwandfreien Beweis erbracht, dass die auf den Weiden aufgezogenen Pferde die leistungsfähigeren sind. Das ist an sich keine neue Erkenntnis, sie wurde aber durch diese Veranstaltungen den Züchtern anschaulich vor Augen geführt. Die Arbeitsleistungsprüfungen werden für die Pferdezucht in Zukunft ebenso unentbehrlich sein, wie in der Rinder-, Schweine- und Schafzucht die Milch-, Fleisch-, Mast- oder Wollleistungsprüfungen. Ihr Zweck ist die Erkennung der guten Leistungstiere und ihre züchterliche Auswertung in der Richtung einer Leistungssteigerung der ganzen Zucht. Denn Arbeitswilligkeit, Ausdauer, Charakter, Temperament und Herz sind innere Eigenschaften, und als solche in ihren Anlagen ebenso vererbbar wie Milchergiebigkeit oder Fleisch- und Wollleistung.
Der Wert dieser Prüfungen drückt sich heute schon darin aus, dass für Fohlen von Siegerstuten höhere Preise erzielt werden. So wird aus Thüringen berichtet, dass derartige Fohlen 100 RM (Anmerkung: Reichsmark) mehr kosteten als andere. Es wurden im Verbandsgebiet seit 1931 4 Zugleistungsprüfungen durchgeführt und zwar eine Dauerzugleistungsprüfung über 12 Kilometer und 3 Höchstleistungsprüfungen. Bei ersterer legte das beste Zweigespann den Kilometer mit der das Vierfache des eigenen Körpergewichts betragende Bruttolast in durchschnittlich 7 Minuten 57 Sekunden im Schritt zurück, der beste Einspänner in 8 Minuten 28 Sekunden. Die Höchstleistung am Zugkraftmesswagen war in Klasse 1 (Pferde unter 12 Zentner) 212 Zentner, in Klasse 2 (Pferde von 12-14 Zentner) 253 Zentner und in Klasse 3 (Pferde über 14 Zentner) ebenfalls 253 Zentner. In diesem Jahre werden die Pferdezuchtgenossenschaften Mosbach und Wertheim am 22. bezw. 24. Mai je eine Dauerzugleistungsprüfung über 12 Kilometer veranstalten.
Vom Neuaufbau der Pferdezucht
Die Pferdezucht Unterbadens hat sich nach dem schweren Aderlass – kein andere deutsches Kaltblut-Zuchtgebiet wurde so hart getroffen – infolge Aushebung wertvollen Stutenmaterials zu Heereszwecken zu Beginn des Krieges und Ablieferung an den Feindbund nach demselben wieder aufbauen müssen. Außer geringen Resten einheimischen Materials standen hierfür aus dem Krieg zurückgekommene Heerespferde mit naturgemäß außerordentlich mannigfaltigen Erscheinungsformen und Erbanlagen zur Verfügung. Aus solchen Zuchtbeständen konnte sich erst in den letzten Jahren wieder ein einheitlicher Typ herausschälen. In den alten Zuchtbezirken, vor allem Eppingen, mit ihrem Stamm erfahrener Züchter hat sich diese Entwicklung zur Bodenständigkeit hin rascher vollziehen können, zumal hier günstigere Wirtschafts- und Besitzverhältnisse sie förderten. Aber auch in allen anderen Genossenschaften steht ein mehr oder weniger zahlreicher Bestand aus unterbadischer Zucht hervorgegangener guter, typischen Stuten. Dank der Arbeit des Verbandes, seiner Leitung und der Fohlenweide Sins- […] Ende des Zeitungsausschnittes (Anmerkung: Leider existierte diese Zeitung nur noch digital, die zweite Seite ist nicht mehr vorhanden.)
35. Fohlenmarkt in Sinsheim/Elsenz 1939
Ein Blick in den gegenwärtigen Stand der unterbadischen Kaltblutzucht
Bildunterschrift Bild oben: Die Fohlenweide Sinsheim ein Tummelplatz für Jungpferde
Den heutigen Stand der unterbadischen Pferdezucht verdanken wir der bereits seit Jahrzehnten einheitlichen betriebenen Zucht eines mittelschweren bis schweren Kaltblutpferdes. Die in Unterbaden ziemlich gleichen Boden- und Wirtschaftsverhältnisse, sowie die Entwicklung der Technik in der Landwirtschaft forderten die Zucht eines genügend schweren und gängigen Arbeitspferdes, das allen Anforderungen im landwirtschaftlichen Betriebe gewachsen ist. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts hatte sich ein großer Teil der Pferdezüchter zu dem Verband der Unterbadischen Pferdezuchtgenossenschaften zusammengeschlossen, um gemeinsam die Zucht des Kaltblutpferdes auf rheinisch-deutscher Grundlage zu fördern.
Nach dem einheitlichen Zusammenschluss der badischen Pferdezüchter im Badischen Pferdestammbuch wurde in Unterbaden auf Grund des Reichstierzuchtgesetzes ein geschlossenes Reinzuchtgebiet geschaffen, in der Erkenntnis, dass eine Leistungssteigerung in der Pferdezucht nur durch die Reinzucht und fachgemäße Aufzucht eines Schlages zu erreichen ist. Das Festhalten an dem bereits früher als richtig erkannten Zuchtziel ermöglichte bereits in wenigen Jahren, einen Fortschritt zu erzielen. In das geschaffene Reinzuchtgebiet dürfen in Zukunft keine Zuchtstuten anderer Rassen mehr eingeführt werden. Das Endziel ist die vollkommene Unabhängigkeit von der Einfuhr. Wir wollen ein auf der eigenen Scholle gewachsenes Pferd, das mit nur wirtschaftseigenem Futter ernährt werden kann. Dieses Pferd ist zäher, gesünder, langlebiger und leistungsfähiger als das eingeführte. Natürlich kommt der Aufstellung guter, selbstgezogener, bodenständiger Hengste und der Aufzucht ganz besondere Bedeutung zu. Um rasch zum Ziel des gewünschten bodenständigen Pferdes zu kommen, müssen vor allem die in den Zuchtgebieten gefallenen guten Fohlen im Zuchtgebiet bleiben und dürfen nicht außerhalb verkauft werden. Die ungünstigen Aufzuchtverhältnisse in den engen Stallungen der Kleinbetriebe müssen beseitigt werden durch Schaffung von Weiden und Tummelplätzen in den Gemeinden sowie durch eine Art Arbeitsteilung, indem die mittleren und größeren Betriebe den kleinbäuerlichen Züchtern ihre Fohlen nach dem Absetzen abnehmen und aufziehen. Hierzu sind in den letzten Jahren die Fohlenversteigerungen geschaffen worden, um den Absatz zu erleichtern und einen gerechten Preis für Käufer und Verkäufer zu sichern. Diese Veranstaltungen werden noch in vermehrter Zahl eingeführt und sollen den ganzen Fohlenverkauf erfassen.
Gute Stutfohlen, vor allem aber die guten Hengstfohlen sollen auf der Weide und Aufzuchtstation in Sinsheim aufgezogen werden. Die Aufzucht bodenständiger Hengste auf dieser Weide hat sich in den letzten Jahren sehr gut bewährt. Der Bedarf an Junghengsten als Ersatz wird zu 2/3 durch selbstgezogene unterbadische Hengste gedeckt.
Im Jahre 1925 standen noch in Unterbaden 25 Original-Belgier, 9 rheinische Hengste und 16 selbstgezogene Hengste. Heute sind im Zuchtgebiet als Deckhengste aufgestellt 4 Belgier, 19 rheinische und 21 unterbadische Hengste. Die selbstgezogenen Hengste bewähren sich als Vatertiere sowie als Arbeitspferde sehr gut, sodass man weiterhin vermehrt bodenständige Hengste im Zuchtgebiet aufstellen wird.
Das Stutenmaterial hat sich in den letzten Jahren wesentlich gebessert. Die Zahl der eingetragenen Stuten im Badischen Pferdestammbuch steigt ständig. 1937 waren im Zuchtbuch 939 Stuten und 1938 waren 1182 Stuten eingetragen. Diese Zunahme ist sehr erfreulich, da es unbedingt notwendig ist, dass alle Stuten, die zur Zucht benutzt werden, möglichst eingetragen sind. Nur auf diesem Wege kann richtige Zucht betrieben werden, denn gerade für die Aufzucht von Hengstfohlen ist die Kenntnis der Abstammung wichtig und notwendig. Die jährlich stattfindenden Stutenschauen in den Bezirksgruppen zeigen eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung, da vor allem gute, junge bodenständige Stuten zur Zucht benutzt und in das Zuchtbuch aufgenommen werden. Einzelne Bezirksgruppen haben sich überraschend schnell verbessert. Dies zeigt sich besonders in der Nachzucht. Wenn, wie bereits erwähnt, die guten Fohlen behalten und fachgemäß aufgezogen werden, dann ist der Erfolg sichergestellt. Großenteils werden die Fohlen wohl gut gefüttert und gehalten; es lässt sich aber meist der Mangel an Weidegang feststellen. Die Fohlen brauchen zu ihrer Entwicklung unbedingt Bewegung im Freien sowie gutes Grünfutter.
Bei einem jährlichen Anfall von etwa 900-100 Fohlen in Unterbaden genügen die Fohlenweide in Sinsheim sowie die Rinderweiden nicht. Es müssen hier unbedingt Weiden oder Tummelplätze von den Gemeinden oder den Züchtern selbst geschaffen werden. Die Fohlenweide und Aufzuchtstation Sinsheim hat jährlich im Sommer etwa 100 und im Winter 40-50 Fohlen. Hier kann also nur ein kleiner Teil der Fohlen fachgemäß aufgezogen werden, wenn auch die Weide weiterhin noch ausgebaut werden wird, um möglichst vielen Züchtern den Sommer über die Fohlen abnehmen zu können.
In der Zucht und Aufzucht muss vor allem darauf geachtet werden, dass sich die Zahl der gefallenen Fohlen im Verhältnis zu der Zahl gedeckter Stuten erhöht. Die Bekämpfung der Unfruchtbarkeit sowie die Fohlensterblichkeit sind ein wichtiger Faktor für die weitere Entwicklung der Kaltblutzucht. Von 100 gedeckten Stuten werden im Durchschnitt 52 trächtig und hiervon fallen nur 37 Fohlen. Diese Tatsache zwingt dazu, dass der Behandlung der kranken Stuten und Fohlen stärkere Beachtung geschenkt wird.
In der Pferdezucht wird neben der Zuchtleistung noch der der Leistungsfähigkeit in der Arbeit, im Zuge, größte Bedeutung zugesprochen. Die Leistungsprüfungen der Kaltblutpferde sind bereits seit einigen Jahren in Unterbaden durchgeführt worden. Im letzten Jahre wurden nach einer Unterbrechung die Prüfungen vermehrt wieder abgehalten. Insgesamt wurden in Unterbaden 8 Hengste und 34 Stuten geprüft und in das Deutsche Kaltblutpferde-Leistungsbuch eingetragen. Die bodenständigen Zuchttiere, Hengste und Stuten, haben auch hier ihre Leistungsfähigkeit durch sehr gute Leistungen bewiesen. Die Forderungen, die an die Leistungsfähigkeit unserer Pferde gestellt werden, sind in Anbetracht des Grundsatzes „Ernährung auf eigener Scholle“ sehr hoch, aber unsere Liebe zum Pferd, dem edelsten Produkt und treuesten Kameraden des Bauern, gibt uns die Kraft, das gesteckte Ziel zu erreichen.
Bildunterschrift unten links: Zuchtstuten-Töchter der eingetragenen Stute Broni des Philipp Jakob Fischer, Ernsthof bei der Reichsverbandsstutenschau in Wertheim am 13. Juli 1938
Bildunterschrif unten rechts: Stute Gibelotte 3777 mit 3 Nachkommen de Ignaz Scheuermann, Meßhof, bei der Reichsverbandsstutenschau in Wertheim am 13. Juli 1938
Willkommen zum Sinsheimer Fohlenmarkt!
Wieder ist ein Jahr vorüber und vor der Türe steht der 35. Fohlenmarkt in Sinsheim, diese Veranstaltung, die sich würdig zur Seite stellt den Abhandlungen ähnlicher Art in unserem Lande, wo an dem Festtage bis in die weiteste Umgebung nur eine Parole gilt: auf nach Sinsheim zum traditionellen Fohlenmarkt! Auch dieses Jahr ist alles aufs beste vorbereitet und gerüstet, sowohl der Markt an sich, wie auch sein unterhaltender Rahmen. Viel Vorarbeit liegt nun hinter uns und viele fleißigen Hände regen sich schon seit Wochen dem Feste seine immer wieder abwechslungsvolle Ausgestaltung zu geben. So darf auch dieses Jahr jeder mit größten Erwartungen kommen, er wird nicht enttäuscht werden. Die Beschickung des Marktes mit 80 Fohlen, die Schau bester Zuchthengste und Zuchtstuten sind eine Sache, die jedem eifrigen Pferdezüchter Anlass sein soll, die Hauptveranstaltung des bad. Pferdestammbuches Abteilung Unterbaden zu besuchen. Und das Drumherum, allein schon der weitberühmte Festzug, sind Darbietungen, wie sie in ihrer Art nicht so schnell anderswo gezeigt werden. Vergesst aber bei aller Vorfreude auch die beliebte Fohlenlotterie nicht, die wie immer mit ihren wertvollen Gewinnen winkt. Nur noch wenige Stunden und Frau Fortuna verrichtet ihr Werk, unbestechlich und vom guten Willen erfüllt die 540 Gewinner herauszufinden. Wer weiß, ob sie nicht die Absicht hat, auch Dich in deren Zahl einzureihen. Fortunas eherner Grundsatz heißt aber: Wer nicht wagt gewinnt nicht.
Was soll ich noch erwähnen? Ich weiß ja, der Fohlenmarkt wird jedem etwas bieten und alle Besucher werden auch diesmal wieder von dem Erlebten hoch befriedigt in ihre Heimat zur Alltagsarbeit zurückkehren. Also: Auf nach Sinsheim und herzliches Willkommen!
Rieg, Bürgermeister
Bild im Rahmen in der Ausstellung, nicht in der Präsentation
Der Kraichgau, Beilage zur Volksgemeinschaft 1930er Jahre
Der 35. Sinsheimer Fohlenmarkt ein voller Erfolg
Massenverkehr in der Amtsstadt - 125 Fohlen aufgetrieben - Reichhaltiger Festzug
Sinsheimer Fohlenmarkt - für wen sind diese zwei Worte nicht bereits seit vielen Jahren zu einen feststehenden Begriff geworden, für wen bedeutet sie nicht willkommene Rast mitten im werktäglichen Schaffen! Ja, ein wahrer Feiertag ist dieser erste Donnerstag im März, der alljährlich Hunderte und Tausende von Voksgenossen aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus von der näheren und weiteren Umgebung in die Amtsstadt führt und sie dort ein bäuerliches Volksfest erleben lässt, das sich durch seine stolze Tradition nicht nur in den Kreisen der Pferdezüchter sondern allgemein einen Namen von gutem Klang erworben hat.
Wenn im Vorjahr der Fohlenmarkt durch die ausgebrochene Maul-und Klauenseuche abgesagt werden musste und somit eine festliche Veranstaltung ausgefallen ist, auf die sich schon Alt und Jung gefreut hat, so ging man dem diesjährigen 35. Fohlenmarkt mit ganz besonderer Vorfreude und innerer Aufgeschlossenheit für das reiche Geschehen des gestrigen Tages entgegen. Und all die in gemeinsamer Mühe getroffenen Vorarbeiten, alle Besorgnisse um ein einwandfreies Gelingen dieses Tages wurde unterstützt und belohnt durch einen prächtigen Vorfrühlingstag, der am gestrigen Tage hellen Sonnenschein über das geschäftige Leben und Treiben, über das festliche Gewoge, den Frohsinn und die Freude bereitete.
Schon in aller Morgenfrühe legte die Amtsstadt festlichen Flaggenschmuck an und bald entwickelte sich ein geschäftiges Leben in den Straßen und Gassen. Die ersten Besucher von auswärts trafen ein, die Fohlen wurden zum Markt getrieben und auch auf dem Krämermarkt herrschte schon Betrieb, der sich gegen Mittag immer mehr entwickelte.
Zu Beginn der am Vormittag auf dem Robert-Wagner-Platz durchgeführten Fohlenprämierung und -Versteigerung hieß Bürgermeister Rieg alle Züchter herzlich willkommen und wünschte dem Tag einen schönen Verlauf. Bezirksgruppenfachwart Holdermann begrüßte die Vertreter von Partei und Staat, u. a. Kreisleiter Geiger, Regierungsrat Dr. Benz, Stabsleiter II der Landesbauernschaft Pf. Helm, Kreisbauernführer Pg. Schäufele, den Kreisvorsitzenden Standartenführer Pg. Weiß, Landrat Schäfer, sowie den Geschäftsfüher des Bad. Pferdestammbuches, Pg. Dr. Hausamen. Sodann übermittelte Dr. Hausamen die Grüße der Landesbauernschaft und sprach kurz über das Schaffen innerhalb der unterbadischen Kaltblutzucht. Er würdigte die Züchterischen Aufbauarbeiten seiner Vorgänger, die eine Kaltblutzucht aufgebaut haben, die sich sehen lassen kann. Besonderen Dank muss den Züchtern dafür gesagt werden, dass sie in den letzten Jahren treu zusammen hielten und an den gegebenen Richtlinien festhielten. Wir können mit Stolz behaupten, dass in Unterbaden das Reinzuchtgebiet am besten vorhanden ist. Wenn man heute allgemein annimmt, dass durch die zunehmende Motorisierung die Pferdeaufzucht zurücktreten kann, so ist das ein Irrtum. Alle Meinungen über "Pferd und Motor" sind heute in Klarheit zusammengefasst: beide können nebeneinander existieren; die Pferdezucht kann bestehen bleiben und muss in Zukunft mit aller Intensität durchgeführt werden, denn es ist genügend Bedarf an guten Pferden in der Landwirtschaft und vor allem bei der Wehrmacht vorhanden. Als erfreulliche Tatsache kann berichtet werden, dass man in den letzten Jahren in der unterbadischen Kaltblutzucht ein schönes Stück vorwärts gekommen ist, was in der Hauptsache dem freudigen Mitgehen der Pferdezüchter und besonders der Hengsthalter zu verdanken ist. Das vorhandene Hengstmaterial ist sehr gut; besonderen Dank gebührt dem badischen Staat, der die Beschaffung verschiedener bodenständiger Hengste und auch einiger Hengste aus Originalzuchtgebieten finanziell unterstützt hat.
Sodann traten die Prämierungskommissionen in Tätigkeit, um über die vorgeführten 125 Fohlen ein gerechtes Urteil zu fällen. Überaus zahlreich waren die Pferdezüchter, Pferdefreunde und sonstige Schaulustige um die Körringe versammelt, um sich genau über das vorgefürhte Material zu orientieren, das - um es vorwegzunehmen - allgemein befriedigen konnte. Namentlich die jüngste Stutenklasse war gegenüber den 1- und 2-Jährigen viel besser gewesen. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass in den letzten Jahren eine ganze Anzahl sehr guter, typischer Hengste aufgestellt worden sind, wofür, wie wir bereits schon oben erwähnen konnten, dem Staat, bezw. dem Wirtschaftsministerium der Dank des Bad. Pferdestammbuches und der Pferdezüchter gebührt. Es ist zu hoffen, dass der Staat auch weiterhin bei der Hengstbeschaffung diesess erwünschte finanzielle Unterstützung zuteil werden lässt. Auch die Klasse der 1jährigen Fohlen war sehr gut. Viele Fohlen waren auch vorgeführt, die nicht zu der sich der Prämierung anschließenden Versteigerung kamen. Insgesamt waren es 48 Fohlen, die zur Versteigerung angemeldet waren, davon wurden 24, also 50 Prozent abgesetzt, und zwar zu Preisen, die sowohl die Verkäufer als auch die Käufer befriedigten.
Beim allgemeinen Überblick über die vorgeführten Tiere fiel auf, dass die Aufzucht der Kaltblutfohlen in Unterbaden wesentlich besser geworden ist. Schlecht genährte, rachitische Tiere waren nicht vorhanden. Für den Pferdeliebhaber, sowohl als auch für der Pferde liebende Publikum war es eine Freude, diese gut genährten, schönen Tiere zu sehen. Im allgemeinen war auch der Gang befriedigend; jedoch sah man da und dort, dass der Winter mit seiner Stallhaltung auch seine Spuren hinterließ, insofern nämlich als einige Fohlen da waren, die nicht laufen konnten. Es ist klar, dass die Pferdezüchter hier Abhilfe schaffen und dafür Sorge tragen müssen, dass ein solch junges Pferd seine tägliche anständige Bewegung hat und genügenden Aufenthalt im Freien.
Bildunterschrift Bild oben: Die Straßen der Amtsstadt von Fohlenmarkt-Besuchern dicht gedrängt
Bildunterschrift Bild unten links: Aufnahme: Burkhardt-Sinsheim, Die Fohlen warten auf die Prämierung
Bildunterschrift Bild unten rechts: Ausschnitt aus dem Fohlenmarkt-Festzug
Ein Blick über den Fohlenmarkt Festzug
Die Fohlenversteigerung wurde erst kurz vor 2 Uhr beendet, sodass auch der auf 2 Uhr angesetzte große Festzug sich mit beachtlicher Verspätung in Bewegung setzte. Der Verkehr gestaltete sich am frühen Nachmittag immer lebhafter, die Straßen waren überfüllt von Menschen, die aus der nahen und weiteren Umgebung herbeigeeilt waren, um mit Zeuge des reichen Geschehens am Fohlenmarkt zu sein. Die Gendarmerie mit Unterstützung des NSRR. hatte alle Hände vollauf zu tun, um den Verkehr zu regeln. Dicht gedrängt, in vielen Reihen hintereinander standen die Schaulustigen und warteten unentwegt auf den Festzug, der auch in diesem Jahr wieder durch die Bauernschaft, die Handwerkerschaft, die Schulen und das Jugendstift mit viel Liebe und Sorgfalt sinnvoll zusammengestellt war. "Großdeutschland" war der Leitgedanke, den man diesem Festzug zugrunde gelegt und man kann sagen wirklich anschaulich in passenden Wagen- und Fußgruppen herausgestellt hat. Voran marschierte das stramme Sinsheimer Bürgermilitär in seiner traditionellen Uniform und dann kündete ein Transparent "Ein Volk - ein Reich - ein Führer" den Beginn des eigentlichen Zuges. Da bot sich den Blicken der Beschauer eine Riesenlandkarte unseres Großdeutschen Reiches und zeigte an wie deutsches Blut, welches jahrzehntelang durch schändliche Verträge [hier endet die Seite, ab hier die Rückseite:] voneinander gewaltsam getrennt worden war, nunmehr wiederdurch die befreienden Taten unseres Führers wieder zueinander gefunden hat. Und dann rollte in symbolischen Wagen gekleidet das Bild der nahen geschichtlichen Vergangenheit vor einem ab und ließ uns im Geiste nocheinmal jene großen, weltgeschichtlichen unvergänglichen Tage erleben, in denen uns geraubtes Land wieder in den Schoß von Mutter Deutschland zurückkehrte. Da erlebten wir die Rheinlandbefreiung und sehen, wie der urdeutsche Rhein wieder der deutsche Strom wird und nicht Deutschlands Grenze, wie man es so gerne gesehen hätte. Hellauf klingt es aus jungen Kehlen "Deutsch ist die Saar" und anschaulich führen uns zwei Wagen in jene hochbedeutenden Tage als das Saarland sich wie ein Mann zur deutschen Heimat bekannte und neues Leben in den Fabriken und Bergwerken einzog. Wenige Jahre später und wieder drängte deutsches Blut zu deutschem Blut: Österreich kehrte heim ins Reich! Wie schön dieser Teil des großen deutschen Reiches ist, das stellten ebenfalls zwei Wagen dar. Und im gleichen Jahre, da sprengte das deutsche Blut auch im Sudetenland die Fesseln. Froh hallen die Klänge des Egerlänger Marsches an unser Ohr und eine Trachtengruppe kündet von dem urdeutschen Wesen dieser Landschaft. Wer kennt sie nicht, die jüdischen Schmarotzer, die unsere Volksseele zu verderben suchten, die alles Deutsche in den Schmutz zogen und sich bereicherten auf Kosten der deutschen Gemeinschaft - auch sie waren in einer Gruppe ausgezeichnet skiziert. Mauschelnd zogen sie ab mit ihren langen Nasen, nachdem ihnen auch die letzten Felle den Bach hinunter geschwommen waren. Und ob sie auch über die Grenzen hetzen und zum Kriege aufstacheln - wir fürchten nichts, wir sind auf der Wacht und stark, davon zeugten die nächsten Gruppen mit Bildern aus der Westbefestigung und der Wehrmacht. Noch ist aber nicht alles an Deutschland begangene Unrecht wieder gut gemacht, noch machen wir unsere Ansprüche geltend auf die uns geraubten Kolonien und diese Forderung stellte eine Wagengruppe mit Askari auf dem Ruf: Wir wollen wieder unsere Kolonien! Fußgruppen und Wagen der Bauernschaft, sowie die prachtvollen Hengste bildeten den Abschluss des reichgegliederten Festzuges, der den Beifall aller Zuschauer fand und einen würdigen Abschluss des offiziellen Teiles des Fohlenmarktes bildete. Mit großer Spannung wurde dann natürlich noch die Ziehung der bekannten Fohlenmarktlotterie erwartet, die für manchen eine angenehme Überraschung brachte.
Im ganzen gesehen kann der 35. Sinsheimer Fohlenmarkt als ein voller Erfolg bezeichnet werden, der neben dem Einlass der Bauernschaft, Handwerkerschaft, der Schulen und des Jugendstifts mit in erster Linie den durch die Stadtgemeinde Sinsheim gut geführten Vorbereitungen zu verdanken ist. Dank gebührt auch der Stadtkapelle und der Kapelle des Jugendstifts, die den musikalischen Rahmen gaben.
Zeitungsartikel und Annoncen in der Präsentation
Das Pferd wird ersetzt
Sinsheim, 18. Mai. (Hundeprämierung.) Bei der gestrigen allg. Hundeschau in Schwetzingen erhielten die Herren Paul Frank, Sinsheim für Airdale Terrier Hündin „Cilly v. weißen Laub“, Prof. Dr. Ehret, Sinsheim für glatthaarigen Foxterrier „Rudolf v. Gaisberg“, Karl Biedermann, Sinsheim für Deutsche Schäferhündin „Erla v. der Silberhalde“ das Prälat „vorzüglich“ bezw. „sehr gut“. Außerdem erhielt jeder Besitzer für seinen Hund einen Ehrenpreis.
Sinsheim, 9. Juli. (Hundeprämierung.) Bei der gestrigen allgemeinen Hundeschau in Heilbronn verteilte das Preisgericht an die Tiere folgender Besitzer Auszeichnungen: Paul Frank, Sinsheim für Airdale Terrier „Cilly v. weißen Laub“, „Vorzüglich“ und Ehrenpreis für die beste Airdale Hündin. Prof. Dr. Ehret, Sinsheim für Foxterrier, „Rudolf v. Gaisberg“, „Vorzüglich“ und Ehrenpries. Karl Biedermann, Sinsheim für glatth. Zwergpinscher, „Gretchen v. Heizengrund“, „sehr gut“ und Diplom.
Sinsheim, 29. Nov. (Kanarien-Ausstellung). Der Kanarienzucht- und Vogelzuchtverein Sinsheim und Umgebung bereitet zu seiner zweiten lokalen Ausstellung edler Gesangskanarien vor, die am 14.-16. Dezember stattfindet. Wer die letztjährige Veranstaltung besuchte, wird sich wohl mit Recht über die guten züchterischen Erfolge des jungen Vereins und die schöne Aufmachung der Veranstaltung gewundert haben. Liebhabern ist dieses Jahr wieder Gelegenheit geboten sich durch die Verkaufsabteilung einen gefiederten Sänger als Weihnachtsgeschenk zu erstehen, von dem er die Gewissheit hat etwas gutes zu besitzen. Die Ausstellung wird in etwas größerem Maß wie vergangenes Jahr gehalten.




