TinyCareHome noch bis 14. Oktober auf dem Vorplatz der Dr.-Sieber-Halle
Erstes barrierefreies Tiny-Haus präsentiert sich in Sinsheim
Pünktlich zum „Tag der älteren Generationen“ öffnete am 1. Oktober das TinyCareHome (TCH), das erste mobile Pflege- und Assistenzmodul seiner Art, auf dem Vorplatz der Dr.-Sieber-Halle seine Türen für interessierte Besucher.
Das TinyCareHome ist ein innovatives, barrierearmes Minihaus zur Unterstützung der Pflege und Betreuung älterer oder pflegebedürftiger Menschen.
Vor Ort stehen Ansprechpartner des Bosch Digital Innovation Hub (BDIH) der Robert Bosch Stiftung mit Sitz am Bosch Health Campus in Stuttgart und des Steinbeis Transferzentrums für Soziale und Technische Innovationen mit Sitz in Tübingen für Fragen bereit und zeigen alle Funktionen des TCH. Der BDIH und das Steinbeis Transferzentrum betreiben in Kooperation das Forschungsprojekt TinyCareHome. Das Forschungsprojekt widmet sich innovativen Möglichkeiten, die (häuslichen) Pflegesituationen nachhaltig und zukunftsweisend zu verbessern.
Das kleine Haus auf dem Vorplatz der Dr.-Sieber-Halle ist das erste seiner Art. Der BDIH und das Steinbeis Transferzentrum haben sich bewusst entschieden, vor Ort in Kommunen über das Projekt zu informieren. „Kommunizieren und sensibilisieren“ lautet die Devise, fasst Thomas Heine (Steinbeis Transferzentrum) zusammen. „Das TCH ist ein fahrendes Forschungsprojekt“, führt Florian Burg (BDIH) aus. Die städtische Seniorenbeauftragte Eva-Maria Auwärter hatte auf einer Fachmesse den Kontakt zu Burg hergestellt. So ist es gelungen, dass sich das TCH in Sinsheim erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Laura Bauer, Studentin an der Hochschule Neu-Ulm begleitet das Projekt im Rahmen ihrer Masterarbeit im Studiengang Digital Health Care Management. Besucher des TCH können bei ihr nach einer eingehenden Besichtigung des kleinen Hauses an einer Befragung teilnehmen, die in etwa zehn Minuten in Anspruch nimmt.
Heine und Burg arbeiten seit rund zwei Jahren an dem Projekt. Die Idee entstand auf einer Tiny-Haus-Messe in Karlsruhe. Denkbare Einsatzmöglichkeiten für das TCH gibt es viele. Heine und Burg schwebt ein Mietmodell vor. So könnten sich Eigenheimbesitzer ein TCH in den eigenen Garten stellen – sei es, um dort pflegebedürftige Angehörige zu versorgen, oder um das Tiny-Haus selbst als (Übergangs-)Wohnraum zu nutzen, während das eigene Haus von pflegenden Angehörigen genutzt wird. Dabei soll das TCH mit einer Warmmiete von unter 1.000 Euro erschwinglich sein.
Wie sich diese Pläne in Zukunft umsetzen lassen, zeigt die Forschung der kommenden Monate. Nach dem Halt in Sinsheim zieht das TCH weiter nach Ravensburg, wo die Haustechnik in Kooperation mit der dortigen Hochschule smart nutzbar gemacht wird.
„Ein durchaus spannendes Projekt“, befand Bürgermeister Bernd Kippenhan, der dem TCH gemeinsam mit Dezernatsleiter Ulrich Landwehr, Amtsleiter Johannes Wolf und Abteilungsleiter Steffen Eisemann zum Aktionstag am 1. Oktober einen Besuch abstattete.
In der Praxis wird sich die Forschungsgruppe mit den Herausforderungen an Brandschutz, Vorgaben des Baurechts bei der Baugenehmigung, Lösungen für Abwasser und nicht zuletzt einer Finanzierbarkeit auseinandersetzen müssen. „Auch deshalb stehen wir jetzt hier“, erläutert Heine. „Wir gehen bewusst in den Austausch mit den Akteuren vor Ort, mit Kommunen, Arbeitgebern, Pflegeheimen und jedem, der sich für das Projekt interessiert.“ Auch die Kontaktaufnahme zu Stiftungen und das Ausloten von Fördertöpfen sind geplant.
Am Eröffnungstag zeigte sich jedenfalls bereits großes Interesse in der Bevölkerung: Zahlreiche Menschen statteten dem TCH am 1. Oktober einen Besuch ab. Zum Aktionstag waren auf gemeinsame Initiative der Seniorenbeauftragten und des Seniorennetzwerks Sinsheim auch die Kriminalprävention, die Wohnraumberatung des DRK und der „Letzte Hilfe“-Wohnwagen des Kraichgau Hospizes mit Informationsangeboten vor Ort. Bei strahlendem Sonnenschein begleitete Karl Schramm den Nachmittag musikalisch mit der Gitarre.
Das TCH steht Besuchern noch bis 14. Oktober täglich von 11:00 bis 16:00 Uhr offen. Besichtigungstermine außerhalb dieser Zeiten oder Zeitfenster für größere Gruppen können ebenfalls vereinbart werden, per E-Mail an laura.bauer@student.hnu.de.



