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Die Geschichte der Stadt Sinsheim und Ihrer Stadtteile

Sinsheim, Merianstich 1650

Sinsheims Wahrzeichen ist seit alters her der imposante Stiftsturm auf dem Michaelsberg. Uralte Handelsstraßen durchzogen den Kraichgau und kreuzten sich unterhalb des Berges. Schon die Römer erbauten auf dem Michaelsberg einen Tempel zu Ehren des Merkur und nannten die Siedlung am Berge Vicus Saliobriga.

Der gesamte Kraichgau gehörte als fruchtbare Senke zwischen Odenwald und Schwarzwald zu den ältesten Kulturräumen Süddeutschlands. In die jüngere Steinzeit (5000 bis 2000 v. Chr.) weisen Einzelfunde von Steinbeilen und Lanzenspitzen und besonders die „Drei Bückel“ mit 14 Hügelgräbern an der Burghälde, die von dem noch zu erwähnenden Altertumsforscher Karl Wilhelmi im 19. Jahrhundert ausgegraben und beschrieben wurden. Brandspuren aus der Jungsteinzeit förderten die Erdarbeiten an der Autobahn südlich von Sinsheim zu Tage, in unmittelbarer Nähe des Gewannes „Breites Bäumchen“, das zuvor durch die Entdeckung von Urnengräbern auf eine frühe Besiedlung aufmerksam machte. Die Helvetier legten 400 v. Chr. auf der Burghälde eine Zufluchtsstätte an, deren Ringwall heute noch teilweise um die Kuppe zu verfolgen ist. Aus der Periode der keltischen Kultur stammt das bei Dühren aufgedeckte Grab einer keltischen Fürstin, dessen Reichtum in Fachkreisen aufhorchen ließ. Die darin enthaltenen Bernsteinperlen und ein Krug aus Etrurien geben Hinweise auf eine uralte Fernhandelsstraße durch den Kraichgau. Besonders die Römerzeit hinterließ im Sinsheimer Raum nachhaltige Spuren. So fand man 1936 in der Michaelis-Basilika auf dem Stiftsberg einen Viergötterstein, dessen Inschrift auf eine Niederlassung Saliobriga (das römische Sinsheim) hinweist. In die Basilika eingebaute Spolien belegen, dass auf dem Michaelsberg schon zu keltisch-römischer Zeit ein Tempel zu Ehren von Merkur und Rosmerta stand. Eine Villa rustica bei der „Drei Bückel Gruppe“ und ständige Münz-, Scherben- und Tonfunde zeugen von der Bedeutung dieses Raumes während der römischen Besetzung. Aus dieser Zeit ragt die 1959 in Steinsfurt ausgegrabene Jupiter-Gigantensäule als eindrucksvolles Zeugnis gallo-römischer Kunst hervor.

In die fränkische Frühzeit um 550 fallen die ersten Anfänge des Urdorfes Sunnisheim. Die erste geschriebene Urkunde stammt aus dem Jahre 770 im Lorscher Codex, in der ein Hagino dem Schutzpatron des Klosters, Nazarius, einen Hof schenkte. Ein größerer fränkischer Friedhof an beiden Seiten der heutigen Carl-Orff-Schule ermöglichte manche aufschlussreichen Erkenntnisse aus jener Zeit. Sunnisheim war um 800 kein unbedeutendes Dorf mehr und stellte wahrscheinlich auch von Anfang an den Sitz des Verwalters, eines Gaugrafen, dar. Er erhielt einen befestigten Bezirk in der Talsohle der Elsenz. Aus dem 8.-10. Jahrhundert sind Gräber und eine Steinkirche auf dem Michaelsberg belegt. Seit 1020 wirkte im Bereich des Kraich-, Gartach- und Elsenzgaus das Geschlecht der Zeisolf-Wolframe als salische Lehnsgrafen. 1067 wurde dem angesehenen Gaugrafen Zeisolf das Markt- und Münzrecht verliehen, das man heute als Ansatzpunkt für städtische Funktionen ansehen kann. Spätestens seit Mitte des 11. Jahrhunderts befand sich auf dem Michaelsberg in Sinsheim, der sicher schon lange ein Heiligtum trug, eine Familiengrablege der Kraichgaugrafen.

Franziskanerkloster

Durch Bischof Johannes von Speyer wurde im Jahre 1100 in Anwesenheit Kaiser Heinrich IV. das Benediktiner-Kloster auf dem Michaelsberg gegründet. Die Klostergründung, besonders seine außerordentliche Privilegierung durch Kaiser Heinrich IV. standen in einem Zusammenhang, der weit über den lokalen Rahmen hinauswies. 1192 trat das Kloster die Stadt zur Hälfte an den Kaiser ab, wobei den Einwohnern stadtähnliche Rechte gesichert wurden. Von nun an galt auch für Sinsheim: „Stadtluft macht frei“, freilich in einem engeren Sinn als es die großen freien Reichsstädte für sich in Anspruch nahmen. Städtisches Ringen um Emanzipation traf auch in den nächsten Jahrhunderten immer wieder auf klösterliche Begehrlichkeiten. In einer Urkunde von 1234 wird Sinsheim Civitas genannt. Das älteste erhaltene Siegelbild mit dem Reichsadler als Stadtwappen stammt aus dem Jahre 1300. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde die Stadt wiederholt verpfändet. 1496 wurde das Kloster zu einem weltlichen adeligen Ritterstift umgewandelt.  

Stiftsturm

1525 erlebte auch diese Gegend den Bauernkrieg. Das Verhältnis der Bürgerschaft zu den mittlerweile weltlichen Stiftsherren hatte sich zugespitzt, den anrückenden Bauern unter dem Eppinger Pfarrer Anton Eisenhuth wurden die Stadttore ohne Widerstand geöffnet, das Stift und die Burg Steinsberg geplündert, gebrandschatzt und schwer zerstört. Ab 1528 wurde das Stift neu instand gesetzt, der charakteristische Turm mit der Rundkuppel entstand schon etwas eher. Im Zuge der Reformation wurde das Stift durch den calvinistischen Kurfürsten Friedrich III. 1565 gewaltsam aufgelöst. Der unglückselige Dreißigjährige Krieg von 1618–1648 brachte Sinsheim furchtbare Not und unvorstellbares Elend. Im Friedensschluss von Münster 1648 wurde das Schicksal des Stiftes, welches zwischenzeitlich wieder rekatholisiert wurde, endgültig besiegelt. Die Steine der zerfallenen Klostermauern bildeten zum Wiederaufbau der Häuser einen willkommenen Steinbruch.  1674 erlebte dieser Raum die Schlacht bei Sinsheim. Von Philippsburg aus zog Marschall de Turenne durch dieses Land und traf nördlich unserer Stadt auf die deutschen Verbände. 3.000 Tote und eine gänzlich ausgeplünderte Stadt blieben zurück. Das Elend der Stadt hatte seinen Höhepunkt damit aber noch nicht erreicht. 1689 erlitt die Stadt das gleiche Schicksal wie das Heidelberger Schloss, die Truppen Ludwigs XIV. brannten alle Gebäude nieder. Krieg folgte auf Krieg (Orleans‘scher Krieg bis 1697, Spanischer Erbfolgekrieg 1701–14, Polnischer Erbfolgekrieg 1734–38, Österreichischer Erbfolgekrieg 1742–45, Siebenjähriger Krieg 1756–63 und Französische Revolution).

Altes Rathaus

Erstaunlich war der ungebrochene Lebensgeist der Bürger, die trotz aller Widrigkeiten in den Jahren 1712-14 das Rathaus, jetzt Stadtmuseum, im Fachwerkstil neu aufbauten. 1797 reiste Goethe durch Sinsheim und schrieb seine Eindrücke von dem „Heiteren Landstädtchen“ in seinem Tagebuch „Dichtung und Wahrheit“ nieder. 1803 fiel Sinsheim durch Reichsdeputationshauptschluss an den Fürsten von Leiningen. In dieser Zeit erfolgte die Verlegung des fürstlichen Justizamtes von Hilsbach nach Sinsheim. 1806 schließlich kam Sinsheim zum Großherzogtum Baden und wurde badische Amtsstadt. Im 18. Jahrhundert entstand im Osten der Stadt ein Franziskanerkloster auf dem Gelände des heutigen Kreispflegeheims, das allerdings nur knapp 80 Jahre bestand.

Sigels Rückzug mit der Revolutionsarmee in die Schweiz

Von 1819 bis 1857 amtierte in Sinsheim Dekan Karl Wilhelmi, der durch seine Ausgrabungen nicht nur das Interesse für die Vorzeit in unserem Raum wachrief, sondern auch in ganz Europa ein hochgeschätzter Altertumsforscher und Mitglied von 37 Europäischen Forschervereinigungen wurde. Er gründete 1830 „Die Sinsheimer Gesellschaft zur Erforschung vaterländischer Denkmäler der Vorzeit“, deren Erbe die heutigen „Freunde Sins­heimer Geschichte e.V.“ übernommen haben. Er wurde zum Begründer der Altertumsforschung in Südwestdeutschland und schenkte den Bürgern eine reichhaltige Stadtchronik. 1824 erblickte der berühmteste Sohn der Stadt, Franz Sigel, das Licht der Welt. Er kämpfte 1848/49 an der Seite von Friedrich Hecker und Gustav Struve für eine freie, einige und demokratische Republik, wurde Oberbefehlshaber der badischen Revolutionsarmee und Kriegsminister der provisorischen Regierung. Nach der Niederlage der europäischen Demokratiebewegung wanderte er über die Schweiz, Paris und London schließlich in die USA aus. Dort arbeitete er u.a. als Lehrer, Ingenieur und Direktor der Schulbehörde von St. Louis. Im amerikanischen Bürgerkrieg machte er als ranghöchster deutschstämmiger Offizier eine zweite militärische Karriere und stand in Kontakt mit Abraham Lincoln. Drei Denkmäler in New York, St. Louis und Sinsheim erinnern an seinen Ruhm.

Karl Wilhelmi

Die Stadt Sinsheim war während der Revolution 1848/49 ein wichtiges Zentrum der Demokratie- und Freiheitsbewegung in Baden. Ab April 1848 war das Sinsheimer Rathaus fest in den Händen der revolutionären Demokraten um Apotheker Gustav Mayer, der von hier aus die demokratische Republik ausrief und mit 250 bewaffneten Freischärlern nach Heidelberg marschierte, um von Norden den Hecker-Aufstand zu unterstützen. Nach der Niederlage der deutschen Demokratiebewegung wanderten 80.000 Badener in die USA aus, vom Amtsbezirk Sinsheim jeder Zehnte.

Franz Sigel

1864 erfolgte die Zusammenlegung der Amtsbezirke Sinsheim-Neckarbischofsheim, 1924 die Vereinigung mit dem Amtsbezirk Eppingen und 1936 die Errichtung des Landkreises Sinsheim. Diese Stellung fand mit dem 1. Januar 1973 als Folge der Kreisreform ihr Ende. Sinsheim hatte mittlerweile durch Eingemeindung der 12 Nachbarorte der Umgebung eine Einwohnerzahl von rund 32.000 erreicht und wurde durch Beschluss der Landesregierung von Baden-Württemberg ab 1.1.1973 Große Kreisstadt.

Heute hat die Große Kreisstadt rund 35.000 Einwohner.

Geschichte der Stadtteile

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