Was aber damit anfangen? Welche Chancen und welche Risiken sind mit diesen nicht mehr genutzten Gebäuden verbunden? Abriss – Umnutzung - Teilnutzung – Zwischennutzung? Wie packt man das Thema an? Diesen Fragen widmete sich das zweite Arbeitstreffen im Modellprojekt MELAP PLUS, das am 05.07.2011 im Modellort Binzwangen, einem Teilort von Ertingen im Landkreis Biberach stattfand. Dort trafen sich die Modellgemeinden und ihre Planer, Vertreter des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR), die Regierungspräsidien und die Wissenschaftliche Begleitung des Modellprojektes, um gemeinsam Ideen und Strategien für den Umgang mit leer stehenden Gebäuden zu diskutieren.
Am Vormittag gab das MLR einen Sachstandsbericht aus Sicht des Landes zum bisherigen Verlauf des Modellprojekts. Ministerialdirigent Hartmut Alker, Abteilungsleiter im Ministerium, lobte das Engagement in den einzelnen Kommunen: „Nach Auswahl der Modellorte wurden in den Gemeinden auf verschiedenen Ebenen bisher gute Ideen und Projekte entwickelt. Das zeigt uns, dass Kommunalpolitik und -verwaltung, aber auch die Bürgerschaft das Arbeitsfeld der Innenentwicklung aktiv annehmen." Alker betonte, dass innovative Projektbeispiele und modellhafte Vorgehensweisen das Ziel von MELAP PLUS seien. Die Messlatte liege deshalb hoch. Aber genau dies mache für alle Beteiligten den besonderen Reiz dieses Modellprojektes aus.
Als Experten waren der Berater und Manager in Fragen der Projektentwicklung Friedrich Oesterle aus Tübingen und der Geschäftsführer der Hilfswerk Siedlung GmbH Jörn von der Lieth aus Berlin eingeladen. Jörn von der Lieth versetzte sich in seinem Vortrag in die Situation eines Grundstückserben, der entscheiden muss, was er mit seinem Erbe anfangen will. Dazu stellte er eine Checkliste vor, die als Orientierungshilfe dienen kann, um zu erkennen, ob und in welcher Hinsicht ein Grundstück oder ein Gebäude wertvoll ist. Friedrich Oesterle übernahm die Perspektive eines Investors und stellte fest: „Um einen Investor für ein Gebäude oder für ein Grundstück zu interessieren, müssen die Besonderheiten und Qualitäten der Gemeinde und ein besonderes „Produkt“ möglichst mit einem Alleinstellungsmerkmal definiert werden. Dieses Produkt muss in ein Marketingkonzept eingebettet werden und die Investoren ansprechen.“
MELAP PLUS ist ein Modellvorhaben des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg zur Stärkung der Ortskerne von Gemeinden im ländlichen Raum. Aus 47 eingereichten Konzeptionen im Rahmen eines Wettbewerbs wurden 13 Modellprojekte ausgewählt– darunter auch das gemeinsame Konzept von Adersbach, Ehrstädt und Hasselbach - . In einem von 2010 bis 2015 angelegten Modellversuch können sie wegweisende investive Projekte aus Mitteln des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum umsetzen. Dabei spielen beispielhafte Umnutzungs-, Umbau- und Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden in den Innerortslagen eine zentrale Rolle. Von großer Bedeutung für den MELAP PLUS Prozess sind Bürgerbeteiligung und innovative Vorgehensweisen der innerörtlichen Entwicklung. Weitere Infos unter www.melap-plus.de .
19.07.2011 Große leer stehende Gebäude in ländlichen Ortskernen – Lust oder Last?
Mal ist es das Gasthaus, manchmal ein Bahnhofsgebäude, eine Fabrik oder eine Schule – oder es sind riesige Bauernhäuser mit einer großen Scheune oder einem Stall, die nach dem Versterben der Bewohner nicht mehr gebraucht werden: Gebäudeleerstand gibt es schon lange nicht mehr nur in der Stadt.

