Postanschrift:
Stadt Sinsheim
Mobile Jugendarbeit Sinsheim
Daniel Heger
Wilhelmstraße 14-18
74889 Sinsheim
Besuchsadresse:
Werderstraße 1, im 1. OG
(AOK - Gebäude)
Kartenansicht
Tel: 07261/404-167
Wir sind auch in "Wer-kennt-wen" und im SchülerVZ unter "Mobile Jugendarbeit Sinsheim" zu finden.
Konzeption
1. Definition und Rechtliche Grundlagen
Bezogen auf das Feld der Jugendhilfe hat sich die Arbeitsform „Streetwork“ zu Beginn der 70er Jahre zur Mobilen Jugendarbeit hin entwickelt. Ausgehend von der teilweise als krisenhaft erlebten Hilflosigkeit der offenen Jugendarbeit mussten neue
Zugangswege zu jugendlichen „Problemgruppen“ gefunden werden. So kam es zur
Konzeption und Installation stadtteilorientierter Arbeitsansätze von aufsuchender,
entstigmatisierender Jugendarbeit.
Mobile Jugendarbeit ist eine relativ eigenständige Methode lebensweltnaher
Sozialarbeit. Die Mobile Jugendarbeit arbeitet im Wesentlichen nicht in den
Räumen einer Institution sondern begibt sich aktiv in die Lebensfelder der Zielgruppe.
Arbeitsplätze sind deshalb z.B. öffentliche Plätze, Parks, Gaststätten, Spielhallen,
Diskotheken, Schnellrestaurants, Jugendfreizeiteinrichtungen oder ganz einfach die
Straße. Weiterhin kann eine Kontaktaufnahme bzw. -fortsetzung auch in den jeweiligen privaten Lebenszusammenhängen erfolgen.
Die Ziele der Mobilen Jugendarbeit leiten sich aus §1 Abs. 3 in Verbindung mit § 9 Nr. 2 und 3 SGB VIII ab und werden in den §§ 11 und 13 SGB VIII konkretisiert.
2. Zielgruppen
Durch die Mobile Jugendarbeit sollen hauptsächlich Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren angesprochen werden.
Diese Zielgruppen der Mobilen Jugendarbeit werden wie folgt beschrieben:
• junge Menschen, die auch bei günstiger Lage auf dem Ausbildungsstellen- und Arbeitsmarkt wegen individueller und/oder sozialer Schwierigkeiten, häufig einhergehend mit unzureichender schulischer Ausbildung, nach wie vor keine Ausbildungs- und Arbeitsstellen finden
• junge Menschen aus Familien ausländischer Arbeitnehmer sowie junge Aus- und Übersiedler aus Osteuropa und Asylbewerber
• junge Menschen, deren Familien in sozialen Brennpunkten räumlich konzentriert leben und deren Sozialisationschancen reduziert sind
• junge Menschen, die in finanziellen, persönlichen und sozialen Schwierigkeiten leben und Probleme bei der Wohnraumbeschaffung und -erhaltung haben
Die Jugendlichen haben oftmals mit einem oder mehreren belastenden oder ausgrenzenden Faktoren zu kämpfen:
• Migrationserfahrung/Migrationshintergrund
• Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen oder kulturellen Gruppen oder Szenen, die als Randgruppe ausgegrenzt sind
• Unregelmäßiger oder gar kein Schulbesuch
• Schulverweise, teilweise in Wiederholung
• Keine Ausbildungsangebote, Arbeitslosigkeit
• Armut
• Geringe oder keine Unterstützung durch das Elternhaus
• Keine verlässlichen zwischenmenschlichen Beziehungen
• Hausverbote im Jugendhaus oder anderen Einrichtungen
• Arrest- und Hafterfahrungen
• Konflikte mit Autoritätsträgern und in der Öffentlichkeit
• Wohnungslosigkeit
• Drogenkonsum
• Medikamentenmissbrauch
• Alkoholmissbrauch
• Überschuldung
• Sexueller Missbrauch, Vergewaltigung
• Gewalterfahrungen (als Täter und Opfer)
• Probleme bei der Verselbständigung
3. Ziele
Die Mobile Jugendarbeit Sinsheim hat das Ziel, die Situation der Jugendlichen nachhaltig zu verbessern und die Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu fördern.
Die Ansatzpunkte sind daher in dem Bereich der jeweiligen Lebenssituation, der Situation der Cliquen und Gruppen sowie den gegebenen Rahmenbedingungen zu suchen.
Der Ansatz an der Lebenssituation hat zum Ziel, die individuellen Ressourcen zu erkennen, Handlungsspielräume zu erweitern, bei der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit zu helfen sowie die Person in ihrer Alltagsbewältigung zu unterstützen.
Bei der Gruppenarbeit geht es darum, positive gruppenspezifische Prozesse, wie gegenseitige Unterstützung, auszulösen, zu verstärken und zu begleiten.
Damit einher geht das Ziel, die Lebensbedingungen im Gemeinwesen für Jugendliche zu verbessern.
Diese Ansätze haben zum Ziel,
• das Selbstbewusstsein zu stärken
• mit ihnen neue Ideen zu entwickeln, wie ihr Leben „besser“ gelingen kann
• ihnen neue Erfahrungen zu ermöglichen, aus denen heraus sie neue Verhaltensweisen lernen und entwickeln können
• ihnen Möglichkeiten für Treffen und Freizeitaktivitäten zu schaffen
• mit ihnen Wege aus dem Erleiden oder Ausüben von Gewalt zu finden
• Wohnraum zu finden oder ihre Wohnsituation zu verbessern
• sie (in Kooperation mit der Jugendhilfe im Strafverfahren und der Bewährungshilfe) bei der Bewältigung von Strafverfahren zu unterstützen
• ihnen bei der Bewältigung von schulischen Problemen oder des Ausschlusses aus der Schule zu helfen
• sie bei der Berufsorientierung und der Suche von Arbeits- und Ausbildungsplätzen zu unterstützen
• sie bei der Regulierung von Schulden zu begleiten
• ihnen Zugang zu bestehenden Angeboten der Jugendhilfe zu vermitteln und ihre soziale Netzwerke auszubauen
• sie bei der Bewältigung verschiedenster Anforderungen des Alltags (etwa Behördenkorrespondenz, Bewerbungen) zu unterstützen
4. Arbeitsformen
Die vier folgenden Arbeitsformen sind für die Mobile Jugendarbeit von zentraler Bedeutung. Dabei ergibt sich die Gewichtung aus dem Bedarf und kann dementsprechend variieren. Es wird allerdings darauf geachtet, dass kein Bereich komplett vernachlässigt wird. Als fünfter Punkt wurde noch die Qualitätssicherung eingeführt.
Im Zentrum der Mobilen Jugendarbeit steht zudem die langfristige Beziehungsarbeit zu den Zielgruppen. Der Aufbau von Vertrauen gehört hierbei zu den wichtigsten Aufgaben.
Im Gemeinwesen wird kontinuierlich an der Verbesserung der Strukturen für Jugendliche und junge Erwachsene mitgearbeitet.
4.1 Streetwork
Im Mittelpunkt des Streetworks stehen der Kontaktaufbau und die Kontaktpflege mit den Jugendlichen, um Kenntnisse über ihre Lebenswelt zu erhalten und zu vertiefen. Dabei suchen die Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen die Jugendlichen regelmäßig an ihren Plätzen und zu ihren Zeiten auf. Dort verhalten sie sich als Gäste und bieten bei Bedarf Beratung und Informationen an. Durch diese aufsuchende Arbeit wird ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Jugendlichen ermöglicht, dessen Intensität und Dauer von den Jugendlichen bestimmt werden kann. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin nicht als der störende und ermahnende Erwachsene gesehen, sondern dass er oder sie als konstruktiver Gesprächspartner wahrgenommen wird, der die Jugendlichen ernst nimmt.
Folgende Standards erfüllt die Mobile Jugendarbeit Sinsheim, um dieses Angebot zu ermöglichen:
• Die Treffpunkte und Aufenthaltsorte der Jugendlichen sind bekannt und werden regelmäßig von der Mobilen Jugendarbeit aufgesucht (z.B. Plätze, Straßen, Schulhöfe, Jugendhäuser, Kneipen, usw.)
• Bei Bedarf können die Jugendlichen auch zu Hause oder an anderen Orten besucht werden
• Die Streetwork-Zeiten und Orte sind an das aktuelle Freizeitverhalten, die Treffpunkte und die Bedürfnisse der Jugendlichen angepasst
• Die Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen machen ihre Funktion transparent
• Die Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen verhalten sich als Gäste an den Treffpunkten der Jugendlichen
• Begründete Interventionen behalten sie sich bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung vor
• Die Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen leisten niederschwellige Beratung bei Bedarf sofort an Ort und Stelle
• Die im Streetwork erhaltenen Erkenntnisse werden ausgewertet und in die Planungen für die Gemeinwesenarbeit, die Gruppenarbeit sowie die Einzelfallhilfe mit einbezogen
4.2 Gruppenarbeit
In der Gruppen- und Cliquenarbeit geht man davon aus, dass diese den Jugendlichen Entwicklungschancen bieten. Daher werden sie von den Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen der Mobilen Jugendarbeit Sinsheim, insbesondere bei der Suche nach Treff- und Aktionsmöglichkeiten, unterstützt. Dabei sollen die Angebote alternative Erfahrungen ermöglichen und den Jugendlichen neue Handlungsoptionen aufzeigen, statt sie zu belehren. Möglich wird dies insbesondere durch erlebnispädagogische Tagesaktionen und Kurzfreizeiten sowie in themenspezifischer Gruppenarbeit oder Jugendkulturprojekten. Die Angebote für Gruppen können sowohl langfristiger als auch kurzfristiger und krisenspezifischer Natur sein.
Um dies zu gewährleisten, werden folgende Rahmenbedingungen bereitgestellt:
• Angebote für Gruppen werden mit den Jugendlichen gemeinsam geplant
• Beteiligung der jungen Menschen an der Entwicklung der Ziele und allen wichtigen Entscheidungen im Rahmen der Umsetzung der Angebote
• Sollte ein Treff für die Gruppe eingerichtet werden, wird dieser regelmäßig und verlässlich betrieben
• Die Umsetzung von Angeboten erfolgt innerhalb weniger Wochen
4.3 Einzelfallhilfe
Die Mobile Jugendarbeit Sinsheim bietet Hilfen für alle individuellen Probleme an. Dies geschieht insbesondere durch:
• Beratung auf der Straße oder im Büro
• Unterstützung und Begleitung bei Fragen der Ausbildungs-, Arbeits- oder Wohnungssuche oder beim Zugang zu institutionellen Hilfeangeboten
• Vermittlung und Herstellung von Kontakten zu bestehenden Hilfeangeboten, um diese für den Jugendlichen (wieder) nutzbar zu machen
Zu diesem Zweck gibt es folgende Grundlagen:
• Jeder/Jede Jugendliche hat das Recht auf Beratung und das Recht, diese abzulehnen
• Das erste Beratungsgespräch kann sofort erfolgen oder innerhalb von wenigen Tagen
• Krisengespräche können sofort erfolgen
• Die Zeiteinteilung der Mobilen Jugendarbeit erfolgt flexibel, so dass kurzfristig die Einzelfallhilfe intensiviert werden kann
• Es wird gemeinsam vereinbart, wo beraten werden soll
• Die Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen sind in erster Linie für alle Themenbereiche der Jugendlichen zuständig
• Die Weitervermittlung erfolgt in Absprache mit dem/der Jugendlichen, wobei der Kontakt zu den Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen weiterhin bestehen bleibt
4.4 Gemeinwesenarbeit
In der Gemeinwesenarbeit der Mobilen Jugendarbeit steht die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Jugendliche im Vordergrund. Dabei können Angebote verbessert, neu geschaffen oder wieder für Jugendliche zugänglich gemacht werden.
Dazu beteiligt sich die Mobile Jugendarbeit
• an der Entwicklung von neuen oder der Optimierung schon bestehender Angebote
• in verschiedenen Gremien und Arbeitskreisen, um ihre Zielgruppe zu vertreten
• an der Pflege der Kontakte zu allen relevanten Institutionen
• an Projekten in Kooperation mit anderen Einrichtungen
Um dies zu gewährleisten, verpflichtet sich die Mobile Jugendarbeit:
• Die Infrastruktur von Sinsheim zu kennen
• Kontakte werden zu allen Institutionen gepflegt, die wichtig für die Belange der Jugendlichen sind
• Sie setzt sich für die Interessen der jungen Menschen in Gremien und Öffentlichkeitsarbeit ein
4.5 Qualitätssicherung
Für eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit und auch, um die Arbeitsweise der Mobilen Jugendarbeit Sinsheim transparent zu machen, werden Instrumente der Qualitätsentwicklung in angemessenem zeitlichem Umfang angewendet.
Dazu verpflichtet sie sich zu folgenden Punkten:
• Inhaltliche und finanzielle Konzeptionen für Freizeitprojekte und Veranstaltungen (Planungs- und Auswertungstätigkeiten)
• Regelmäßige Selbstevaluation und Auswertung der Arbeit sowie einzelner Aufgabenbereiche
• Dokumentation der Arbeit durch Jahresberichte sowie (bei Bedarf) Berichte über einzelne Projekte
• Regelmäßige Evaluation und Fortschreibung der Konzeption in Abstimmung mit dem Träger
• Teilnahme an externen und internen Seminaren und Lehrgängen, sowie Selbststudium
• Interdisziplinäre Vernetzung und Fachaustausch mit anderen Fachkräften
• Vernetzung mit der LAG Mobil Baden-Württemberg
5. Arbeitsprinzipien
Um die Zielgruppen und die Ziele adäquat zu erreichen, gelten, im Einklang mit den Standards der Landesarbeitsgemeinschaft Mobil, in der Mobilen Jugendarbeit Sinsheim folgende Arbeitsprinzipien:
- Freiwilligkeit
Die Adressatinnen und Adressaten entscheiden über die Art und den Umfang des Kontakts. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstehen sich in der Lebenswelt der Adressatinnen und Adressaten als Gäste.
- Akzeptanz
Unabhängig davon, ob die Adressatinnen und Adressaten etwas an ihrer Lebenssituation verändern wollen, begegnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihnen mit Achtung und Wertschätzung ihrer Person, bemühen sich um das Verständnis der Lebenssituation und Bedürfnisse und halten Kontakt.
- Anonymität
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten nicht nur die Vorschriften über Verschwiegenheitspflicht und Datenschutz im Sozialgesetzbuch, im Strafgesetzbuch und im Bundesdatenschutzgesetz ein. Ohne das Mandat der Adressatinnen und Adressaten werden keine personenbezogenen Daten erhoben und keine personenbezogenen Akten geführt. Auf Wunsch können die Adressatinnen und Adressaten anonym beraten werden.
- Parteilichkeit
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Mobilen Jugendarbeit Sinsheim orientieren sich an den Problemen, welche die Adressatinnen und Adressaten haben und nicht an jenen, die sie eventuell verursachen. Das Arbeitsfeld übernimmt Interessenvertretungs- und Lobbyfunktion. Mobile Jugendarbeit/Streetwork unterstützt die Adressatinnen und Adressaten bei der Durchsetzung und Inanspruchnahme gesetzlich garantierter Rechte und Leistungen.
- Transparenz
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verhalten sich den Adressatinnen und Adressaten gegenüber offen, ehrlich und authentisch. Sie machen den Adressatinnen und Adressaten deutlich, welche Absichten, Möglichkeiten und Grenzen das Handeln der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat.


