Dies geschah wohl im Hinblick auf die bevorstehende Halbzeit seiner Zeit in Deutschland. Die Imame an D.I.T.I.B.-Moscheen werden bisher vom türkischen Staat für ca. 4 Jahre nach Deutschland entsandt. Danach kehren sie in ihre Heimat zurück. Die vom Staat entsandten Vorbeter haben in der Türkei ein staatlich geregeltes Studium absolviert, so dass die theologischen Kenntnisse entsprechend breit sind. Die Ausbildung von Imamen an deutschen Universitäten steckt noch in den Anfängen. Doch ist es geplant, dass auf Dauer in Deutschland ausgebildete Vorbeter zur Verfügung stehen.
Die auf Zeit entsandten Hodschas setzen sich oft Ziele, die sie in der Gemeinde vor Ort erreichen wollen. Im Falle von Muammer Duran deutet alles darauf hin, dass seine „Steckenpferde“ der Dialog mit den christlichen Kirchen und die gute Integration der Gemeindeglieder in die deutsche Gesellschaft sind.
Für den evangelischen Dekan Scheffel, der zugleich der örtliche Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen, ist „Muammer Hodscha“ genau das richtige Gegenüber.
Völlig ohne Vorbehalte und ohne Scheu diskutierten muslimische Gläubige - Männer wie Frauen - die Grundlagen christlichen Glaubens. Gekommen war Dekan Scheffel in Begleitung von Dr. Christopher Dannenmann, ebenfalls studierter Theologe und für die Kirche unter anderem ehrenamtlich als Synodale tätig.
Bei den vielen Fragen konnte der Dekan die fachliche Unterstützung gut gebrauchen. Besonders deutlich wurden dieses Mal die Unterschiede in christlicher und muslimischer Auffassung. Ein Christenmensch glaubt, dass Menschen grundsätzlich die Vergebung, die durch Jesus Christus möglich ist, benötigen. Die Muslime glauben, dass sich der Mensch von der Sünde fern halten muss, um beim jüngsten Gericht zu bestehen. Für den Dekan war der Abend eine positive Überraschung. In seinem Schlusswort konnte er den Anwesenden nicht genug danken für den lebendigen, tief gehenden und fachlich hochwertig geführten Austausch. Im Mittelpunkt stand der gegenseitige Respekt vor dem Glauben des jeweils Anderen. „Die Gotteserfahrung ist immer eine Sache des Individuums.“ Diese Aussage Scheffels hatte ein allseitiges Kopfnicken zur Folge. Und dieses Wort könnte zum Programm für weitere Aktivitäten werden. Es geht darum, die Positionen kennen zu lernen, ohne sich gegenseitig in den Glauben reinreden zu wollen.
Dekan Scheffel kündigte zum Abschied an, bei der nächsten Sitzung der ACK die weiteren Schritte des Dialoges unter den Kirchen abzusprechen. Es soll als nächstes darum gehen, auch Gemeinsames zu benennen und in einem dritten Schritt gemeinsame Aufgaben wie z.B. die Förderung und Erziehung der Jugend zu thematisieren. Konkret könnte eine Einladung ins evangelische Gemeindehaus folgen. Auch eine größere Veranstaltung wie sie z.B. in der Sicherheitswoche im Jugendhaus stattgefunden hat, ist im Gespräch.
Gewünscht und begrüßt wird von beiden Seiten die Teilnahme und Vermittlung durch die städtische Integrationsbeauftragte Inge Baumgärtner. Der Dialog Moschee-Kirche ist ganz im Sinne des Sinsheimer Oberbürgermeisters. „Probleme, die ausgeräumt werden bevor sie entstehen, sind einfach die Besten.“ so Geinert in seiner Reaktion auf das Treffen. In vielen Städten hat sich bewährt, dass die Kommune beim Dialog als sozusagen neutraler Unterstützer beider Seiten auftritt. Denn Bürger der weltlichen Gemeinde sind alle - unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung.
Stadtverwaltung Sinsheim
Wilhelmstraße 14-18
74889 Sinsheim
Tel.: 07261 / 404-0
Fax: 07261 / 404-165
16.02.2010 Sinsheimer muslimisch-christlicher Dialog schon lange keine Eintagsfliege mehr
Weitere Dialogveranstaltung in der Moschee zum Thema Luther fand breites Interesse bei den Muslimen
„Solange ich hier bin, werden wir den Dialog fortsetzen“ sagte der Sinsheimer Imam Muammer Duran gleich bei der Begrüßung.
Foto: Interessiert verfolgt der Sinsheimer Hodscha Muammer Duran den Ausführungen Dekan Hans Scheffels

