Gerda Bier
„Kreuzfigur“
Standort: Carl-Orff Schule
Entstanden: 1986 beim Bildhauer-Symposion
Restauriert: 2006
Material: Eichenholz/Eisen, geschweißt
Größe: 160cm x 320cm
Die in Schwäbisch Hall geborene Gerda Bier gehört zu jenen Künstlern, die ihre Aufgabe im soliden Machen erkennen. Sie folgt nicht bis ins letzte Detail einem festgelegten Konzept, sondern die Form ihrer Werke entwickelt sich im Verlauf vieler tastender Eingriffe. Langsam, wie Holz es will, wächst die Figur heran. Aus einem schlanken Schaft steigt eine skelettierte Figur, zur lapidaren Formel menschlicher Gestalt herabgemagert empor und mündet ins Korsett metallener Manschetten: sie gleicht einem bandagierten Torso von nur sehr fragilem Stand. Die skelletierte Stelzfigur verweigert ihr Gesicht und spricht uns gleichwohl an durch die ergebende Gebärde: mit ihren ausgebreiteten Flügelarmen scheint sie archaische Botschaften zu verkünden. Die plastische Kraft des Werkes teilt sich vor allem darin mit, dass sich die formalen Elemente spannungsvoll behaupten. Der sanfte Schwung der Linienführung überspringt geschickt die Nahtstellen des Materialswechsels. Wulstig quellende Schweißnarben der Eisenbandagen setzen Akzente, doch stören sie kaum den Fluss der Silhouette.
KreuzfigurDie Kreuzfigur von Gerda Bier übermittelt einen sichtbaren Ausdruck elementarer Willenskraft, die unleugbar mit existenzieller Selbstbehauptung im Gesamtgefüge unserer Welt zu tun hat. Sie will aber kein großes Monument und Lehrstück sein, wohl eher so etwas wie ein Memento: ein bescheidenes Signal am Straßenrand.

