24. Benediktinerkloster auf dem Michaelsberg (eingeweiht am 6.1.1100, von 1496 – 1565 adeliges Kollegiat-Stift Sunnisheim)

Sinsheims bedeutende Klosteranlage entwickelte sich über römischen Tempelruinen auf dem Tempelberg des Merkur unweit des Vicus Saliobriga, was verschiedene in die Klosterkirche eingemauerte römische Steine belegen. Gräber aus dem 8.-10. Jahrhundert und eine Steinkirche existierten schon bevor um 1000 ein Stift Sunnisheim auf dem heiligen Michaelsberg gegründet wurde. 1024 setzten die zur Königswürde gelangten Salier die Familie der Zeisolf-Wolframe als Grafen im Elsenz und Kraichgau ein. Der letzte Spross dieses Familienbands, Bischof Johannes von Speyer wandelt das Stift in ein Benediktiner-
Kloster um, (Gründungsurkunde vom 6.1.1100), welches vom Kaiser Heinrich IV. außerordentlich privilegiert wurde. Das Kloster wird mit Mönchen
aus der Abtei Siegburg bei Bonn besetzt. Abt Adalger(us), der ebenso von dort kommt, ist der erste, längere Zeit regierende Vorsteher der Abtei. Zum Besitz des Klosters gehört die Stadt Sinsheim, der König Heinrich IV. 1067 Markt- und Münzrecht verliehen hatte. Der letzte männliche Nachkomme des Geschlechts der Zeisolf-Wolframe, Bischof Johannes von Speyer, gründete zwischen 1092 und 1100 auf dem Michaelsberg ein Benediktinerkloster. In der Stiftungsurkunde vom 6.1.1100 sanktionierte Kaiser Heinrich IV., der als Zeuge anwesend war, die Sinsheimer Klostergründung. 1192 trat das Kloster die Hälfte der Stadt Sinsheim an Kaiser Heinrich VI. ab und behielt sich dabei wichtige altverbriefte Rechte vor. In der Mitte des 13. Jahrhunderts geriet das Kloster in eine wirtschaftliche Krise, die sich trotz aller Reformbemühungen in den folgenden Jahrhunderten weiter verschärfte. 1496 Abt Michael von Angelloch und Prior Konrad von Habern wandelten das Kloster mit der Zustimmung des Papstes Alexander in ein weltliches Chorherrenstift um mit acht Kanonikaten und zehn geistlichen Vikariaten nebst Probst und Dekan. 1525 während des Bauernkrieges stürmte der Kraichgauer Haufen unter Führung des Eppinger Pfarrers Anton Eisenhut das Stift, plünderte und brandschatzte es. Mit Strafgeldern der Bauern und Bürger wurde der zerstörte Turm 1533 wieder aufgebaut und erhielt dabei seine charakterische Rundkuppel mit Wasserspeiern. 1565 führte Kurfürst Friedrich der Fromme selbst die Reformation des Stiftes durch. Er marschierte in der Karwoche ein und ließ Altäre und Gewänder verbrennen. Das Eigentum des Stiftes ging an die reformierte Kirche. Das Kapitel flüchtete nach Worms und Bruchsal. 1626 während des Dreißigjährigen Krieges zeitweilige Rekatholisierung durch den Dekan Ernst Peter von Ouhren. Nach dem Sieg der evangelischen Partei unter dem Schweden-König Gustav Adolf musste von Ouhren das Stift 1631 verlassen. 1636 Zum zweiten Male wurde Ernst Peter von Ouhren durch den Papst eingesetzt und versuchte mit acht Kanonikern sein Werk fortzusetzen. Im dreißgjährigen Krieg wurde das Stift wiederholt zerstört und ging 1648 endgültig im Westfälischen Frieden an Karl Ludwig von der Pfalz über. Die Kapitulare verließen ein Jahr später das Stift. Die mehrfach zerstörten Gebäude verfielen in einen Dornröschenschlaf und dienten jahrelang der Sinsheimer Bevölkerung als Steinbruch zum Wiederaufbau ihrer kriegszerstörten Häuser. 1887 Erwerb des Geländes auf dem Michaelsberg von der Evangelischen Stiftschaffnei und dem Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe durch den „Verein zur Rettung sittlich verwahrloster Kinder im Großherzogtum Baden“ 10. Nov.1889 Einweihung und Eröffnung durch den Großherzog Friedrich I. von Baden 1. Jan. 1964 Der neu gebildete Landeswohlfahrtsverband Baden übernahm die Einrich- tung. In den folgenden Jahren wurde eine Vielzahl der alten Bauten von Grund auf saniert. Neue Gebäude und Werkstätten entstanden und erweitern das Angebot der Jugendhilfeeinrichtung.

