8. Archäologisches Areal Burggasse

Die Ausgrabungen des Landesdenkmalamtes vom Frühjahr bis Herbst 2004 brachten Folgendes zutage: Hier befand sich eine mittelalterliche Anlage mit Stroh gedeckter Häuser, die von einer Befestigungsanlage umgeben war. Die späteren Gründungen vom Ende des 12. Jahrhunderts erfolgten nachweislich auf noch älteren Vorgängerbauten. Im Areal Burggasse deuten Reste der mächtigen 1,5m dicken und sehr gut gearbeiteten Stadtmauer vom Ende des 12. Jahrhunderts darauf hin, dass Sinsheim sich im Mittelalter zu einer wohlhabenden Stadt entwickelt hatte. (Markt- und Münzrecht seit 1067, freie Reichsstadt seit 1192) Sinsheim lässt sich in eine Reihe mit weiteren staufischen Stadtgründungen wie Eppingen, Lauffen, Durlach und Ettlingen stellen, mit denen Heinrich VI. die Kontrolle über strategisch wichtige Straßenverbindungen zu sichern beabsichtigte. (Speyer – Wimpfen) Ein 3-4geschossiger Wohnturm und eine Umfassungsmauer, beides aus sehr gut erhaltenen Buckelquadern, entstanden Anfang des 13. Jahrhunderts. Der Wohnturm hatte ursprünglich einen oberen Eingang. Der ebenerdige Eingang wurde später in das Mauerwerk eingebrochen. An die Umfassungsmauer lehnte sich ein Wohnhaus an. Ein rechteckiger Pallas entstand am Ende des 13. Jahrhunderts, wobei der Wohnturm seine Bedeutung verlor und nunmehr als Wachturm diente. Insgesamt wurden Grundmauern eines Herrschaftssitzes innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern von ca. 1000 Quadratmetern gefunden. Erste schriftliche Hinweise für eine Burg in der Stadt als Sitz des kaiserlichen Stadtvogtes Hans von Gemmingen liegen für das Jahr 1235 vor. 1238 findet sich die Burg im Besitz Engelhards von Hirschhorn, dem die Stadt damals verpfändet war. Das letzte Mal ist 1512 von einer Burg die Rede, als Kurfürst Ludwig V. dem Schultheißen Claus Stellwagen die Erlaubnis bestätigt, Baumaterial der verfallenen Anlage zu verwerten. Auf den abgetragenen Grundmauern wurde später ein größeres Renaissancegebäude errichtet, welches während der Franzosenkriege 1674 oder 1689 zerstört wurde. Außerdem wurden einige Reste früherer Brandschichten gefunden. Die Archäologen entdeckten Grundmauern von mehreren Gebäuden aus dem 17. Jahrhundert, gut erhaltene Ofenkacheln, eine alte Holzwasserleitung, Schuhe und Kinderschuhe aus dieser Zeit. Außerdem wurden zahlreiche Einzelfunde gemacht, wie Keramik vom Anfang des 12. Jahrhunderts (Wackelbogentöpfe), zwei Münzen aus dem 16. Jahrhundert, eine Wetzstein, Rebmesser, Sporen, Steigbügel, Becherkacheln und Nachgeburtstöpfe.

