6. Evangelische Kirche, Baujahr 1782 – 85, bis 1966 Simultankirche

Die Bewohner Sinsheims gingen in der Zeit des Hochmittelalters zu den Gottesdiensten in die Kloster-Kirche auf den Michaelsberg des im Jahre 1100 gegründeten Benediktiner-Klosters. 1132 ließ Abt Adelgerus die „Kirche im Tal“ erbauen, die 1133 von Bischof Sigefrid von Speyer dem hl. Jakobus geweiht wurde. Da die Kirche im 15. Jahrhundert den wachsenden Bedürfnissen nicht mehr entsprach, erstellte man 1483 ein neues Gotteshaus auf dem Platz der heutigen Stadtkirche. Kurfürst Friedrich III. übergab es 1565 der reformierten Lehre. Nach dem 30-jährigen Krieg diente die Kirche beiden Konfessionen. Beim großen Brand 1689 wurde sie stark zerstört. Es blieben nur die Mauern und ein baufälliger Turm. Aus Mangel an finanziellen Mitteln konnte das Gebäude nur notdürftig instand gesetzt werden. 1705 erfolgte die Kirchenteilung: die Reformierten erhielten das Langhaus, die Katholiken den Chor. Eine Scheidemauer wurde erstellt und der Dachstuhl erneuert. Das Geld reichte nicht zum Decken des Daches, so konnten Wind und Wetter hausen. Der bauliche Zustand der Kirche verschlechterte sich zunehmend. 1766 musste das Langhaus wegen Baufälligkeit geräumt werden. Die Reformierten hielten ihre Gottesdienste in der kleinen Totenkapelle beim Friedhof ab. Es sollte 15 Jahre dauern, bis die restaurierte Kirche 1782 wieder benutzt werden konnte. Die Pläne kamen von Pigage. 1783 erbauten die Katholiken anstelle des Chors der alten Kirche ein neues, großes Gotteshaus, ebenfalls nach den Plänen von Pigage. 1780 wurde der baufällige Turm abgebrochen. 1806 erstellten die Reformierten den neuen Turm an der Westseite. Später ging er in gemeinsamen Besitz beider Konfessionen über. Seit dem Bau der neuen Jakobuskirche in der Grabengasse in den Jahren 1964-1966 dient die Stadtkirche nach Abbruch der Scheidemauer und einem großzügigen Umbau nur noch der evangelischen Kirchengemeinde. 2002/2003 wurde die evangelische Kirche rundum renoviert.

